Ernährungs Tipps

Bio-Special Die Aufklärer

Ob Gift und Gentechnik im Essen oder Fleischskandale – die Organisation „foodwatch“ setzt sich für mehr Durchblick am Lebensmittelmarkt ein und kämpft für Verbraucherrechte.
Apfel, Pilz
  

Sechs Buchstaben, gedruckt auf große, weiße Pappwürfel, tanzen durch die Berliner Innenstadt. Aus ihnen ragen Menschenköpfe und Beine. Plötzlich stellen sie sich zu einem Wort auf: „GEMEIN“ ist deutlich zu lesen – das „M“ in der Logo-Schrift von „McDonald’s“. Gemein? „McDonald’s macht nur Hamburger mit Gentechnik“, folgt die Erklärung auf einem Plakat. Was wie Straßentheater anmutet, ist eine Protestaktion von „foodwatch“. Auch Dr. Thilo Bode, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation, steht auf der Straße und sammelt Unterschriften gegen genmanipuliertes Futter, das laut „foodwatch“ an Rinder für das Burger-Fleisch verfüttert wird.

Acht Jahre ist es her, dass der frühere Greenpeace-Chef den Verein „foodwatch“ gegründet hat. Damals ging es ebenfalls um Fleisch: „In Großbritannien und Frankreich starben durch BSE etwa 150 Menschen, und nie wurde wirklich jemand zur Rechenschaft gezogen“, erklärt er. Da habe er sich die Frage gestellt, wie bei uns eigentlich Verbraucherrechte aussehen. Seitdem setzt er sich, zusammen mit neun Mitstreitern, vehement für mehr Transparenz ein.

Das Team, in dem unter anderem ein Veterinärmediziner, ein Biologe und mehrere Marketing-Fachleute tätig sind, sitzt im Osten Berlins. Mit Kompetenz und dem für eine solche Aufgabe nötigen Idealismus kämpfen sie für Aufklärung. Etwa zehn Gehminuten von den berühmten Hackeschen Höfen entfernt werden Kampagnen vorbereitet, Fakten recherchiert und Labortests für Lebensmittel in Auftrag gegeben. „Unsere Arbeit spielt sich vorwiegend am Schreibtisch ab. Aktionen auf der Straße sind eher die Ausnahme“, erklärt Sprecher Andreas Eickelkamp.

Knallharte Recherchen
Ideen zu ihren Kampagnen erhalten die „foodwatcher“ durch politische Debatten, Gespräche mit Insidern der Lebensmittelbranche, Informationen aus Industrie und Behörden. Dann folgt die knallharte Recherche – denn was angeklagt wird, muss wasserdicht belegt und darf nicht angreifbar sein. Nicht umsonst verzeichnet „foodwatch“ bisher keine Klagen oder Verfügungen gegen seine Behauptungen. Und: Der Verein liefert auch Lösungen. Er legte „McDonald’s“ das Angebot eines Sojalieferanten vor, der eine dauerhafte Versorgung aller fleischliefernden Landwirte mit gentechnikfreiem Soja sicherstellt. „,foodwatch‘ ist ein Verein, der sich sehr engagiert und qualifiziert für gesunde Lebensmittel und Verbraucherrechte einsetzt. Sein Forderungskatalog deckt sich mit unserem“, erklärt Dr. Günter Hörmann, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Hamburg.

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