Ernährungs Tipps

Ernährung Nanopartikel in Lebensmitteln

Sie gelten als Wunderwerkzeuge der Lebensmittelindustrie: Nanopartikel. Sie machen das Essen haltbarer und lassen Ketchup besser fließen. Aber was richten sie im menschlichen Körper an?
Burger, Senf, Ketchup
  

Es klingt, als gäbe es reale Heinzelmännchen. Eine Hightechversion von ihnen, unvorstellbar klein und hoch spezialisiert, die in der Küche Erstaunliches vollbringen: die Farbe und den Geschmack von Lebensmitteln verändern, sie mit Vitalstoffen anreichern, die Konsistenz verbessern und beim Aufbewahren nachhaltige Frische garantieren. Während die Wichtel im Märchen jedoch nur Gutes tun, ist das bei den modernen Zwergen nicht so sicher.

Klick zu mehr Infos

www.bund.net Um mehr Transparenz zu schaffen, hat der BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) eine eigene Nano-Produktdatenbank mit diversen Kategorien und nützlichen Infos angelegt.

www.bmbf.de Auf der Homepage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung findet man umfassende allgemeine Infos zum Nano-Engagement der Bundesregierung inklusive der Einsatzmöglichkeiten und der Sicherheitsforschung.

Die Rede ist von Nanopartikeln (griech. nano = „Zwerg“), synthetisch hergestellten Teilchen, die meist aus Kohlenstoff und Metallatomen bestehen und dank ihrer revolutionären Fähigkeiten längst nicht mehr nur zur Optimierung medizinischer Geräte, Autoreifen oder Kunststoffe eingesetzt werden. Immer öfter gelangen sie in unsere Nahrungsmittel, stecken als Rieselhilfen in Salz und Gewürzen, stabilisieren die Farbe und verbessern die Fließfähigkeit von Ketchup, Salatsoßen und Joghurt und sind als keimtötende Hygienewächter in Kühlschrankbeschichtungen und Frischhaltefolien aktiv. Auch über nano-angereicherte Düngemittel, die in der konventionellen Agrarindustrie verwendet werden, kommen wir mit ihnen in Kontakt.

Innovativ und nützlich

Nanoteilchen sind den milliardstel Teil eines Meters klein – eine Dimension der Winzigkeit, gegen die sogar Bakterien riesig wirken. Ihre Mikro-Maße ermöglichen ihnen ihre besonderen Talente, denn sie reagieren chemisch und physikalisch völlig anders als größere Strukturen desselben Materials. Was vorher hart war, kann als Nano elastisch sein. Moleküle, die nicht zusammenpassten, verbinden sich miteinander. „Nanopartikel stellen die herkömmliche Physik auf den Kopf, besitzen unter Umständen eine ganz neue Bioaktivität“, sagt Prof. Thomas Vilgis vom Mainzer Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Das eröffnet ein riesiges Potenzial für die Entwicklung innovativer Produkte. Bereits bekannt sind Beschichtungen mit Abperleffekt und antibakterielle Funktionskleidung. Doch für einige sensible Branchen treten Fragen auf, die sich derzeit nicht beantworten lassen. „Den Einsatz von Nanomaterial bei Lebensmitteln muss man sehr kritisch sehen“, sagt Prof. Vilgis, der eine Arbeitsgruppe zu physikalischen Aspekten im Essen leitet. „Man weiß einfach zu wenig darüber, was mit den Partikeln im Körper passiert.“

Die aktuelle Studienlage lässt befürchten, dass sie der Gesundheit eher schaden. Darum warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor Nanoprodukten, bis man mögliche Gefahren besser erforscht hat. Aus gutem Grund: „In Versuchen mit Zellkulturen verursachte beispielsweise Titandioxid in Nanogröße Erbgut- und Zellschäden“, erklärt die Nanoexpertin Sarah Häuser vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND). Außerdem können die Partikel natürliche Schutzbarrieren des Körpers wie die Blut-Hirn-Schranke oder die Plazenta durchdringen und ins Blut gelangen. Was dann passiert, weiß niemand.

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