Fitnesstraining

Fünf Frauen erzählen ihre Geschichte Mit Sport aus der Krise

Kann Bewegung bei einer Lebenskrise helfen? Eindeutig ja, sagen diese fünf Frauen. Sie haben den Sport (wieder) entdeckt, dadurch neue Kraft geschöpft und sich ihr Leben zurückerobert. Plus: Eine Diplom-Psychologin erklärt das Phänomen.
Tanja Kordys
      

„KEIN TRAINING – DA WAR ICH NICHT MEHR ICH SELBST“
TANJA KORDYS, 36, aus Frankfurt half ihr gewohntes Triathlontraining, eine schwere Wochenbett-Depression zu überwinden

Vor der Geburt meines Sohnes Konstantin hatte ich ab der 25. Woche Wehen und dann eine Schwangerschaftsvergiftung, danach zwei Operationen. Mir ging es immer schlechter. Mein Leben hatte sich komplett geändert, mir fehlte vor allem mein Training. Ich habe immer viel Sport getrieben und mit meinem Mann, er ist Leistungssportler, einige Triathlons absolviert. Nach der Entbindung war Sport unmöglich, und mein Baby-Blues wuchs sich zu einer schweren Wochenbett-Depression aus. Ich wollte nichts essen, habe stundenlang geweint und den Haushalt liegen lassen. Hilfe fand ich endlich bei einem Osteopathen. Sein Befund: Ein Beckenschiefstand und die schwere Geburt hatten Wirbelsäule und Hirnanhangsdrüse beeinträchtigt, die Hormonproduktion war gestört. Und durch den Trainingsabbruch wegen der vorzeitigen Wehen fehlten die gewohnten Endorphine. Er rückte meinen Körper wieder gerade und „verordnete“ Ausdauertraining. Schon bald trainierte ich fast täglich bis zu zwei Stunden. Konstantin kam oft im Babyjogger mit, am Wochenende kümmerte sich mein Mann um ihn, und ich absolvierte lange Radeinheiten. Langsam bekam ich das Gefühl, wieder ich selbst zu sein. Die Depression wurde schwächer. Ganz verschwunden ist sie erst, als Konstantin zehn Monate alt war – und ich wieder schwanger. Mein Sportpensum habe ich in der zweiten Schwangerschaft langsam reduziert und acht Wochen nach Helenes Geburt wieder mit langsamen Läufen begonnen.

Sport ist natürlichste Behandlung
Das sagt die Diplom-Psychologin Gabi Ingrassia (www.ingrassia.de)

Tanja Kordys
Sport ist der natürlichste Weg, viele psychische Krankheiten zu bewältigen. Tanja Kordys hat vor der ersten Geburt viel trainiert und musste von 100 auf Null runter schalten - das kommt einer Vollbremsung gleich. Während einer Schwangerschaft gilt es, moderater und anders zu trainieren - so wie in der zweiten Schwangerschaft. Zudem hatte sie mit ihrem ersten Kind einen sehr schwierigen Start ins gemeinsame Leben. Dann ist es für eine Mutter sehr wichtig, sich einen Ausgleich schaffen, um die neue Herausforderung gut bewältigen zu können. Das bedeutet: Neben dem „Ausgeben von Energieeinheiten für andere“ (auch für Kinder) sollte man auch für die eigene Erholung sorgen. Für die allermeisten Menschen wirkt Sport regenerativ und heilsam.

Promotion
Anzeige
1 von 6
Schlagworte
Fitness | Sport