Entspannung

Glücklichsein lernen Mit 10 kleinen Schritten zu mehr Zufriedenheit

Glück ist kein Dauerzustand. Je mehr wir ihm nachjagen und versuchen, es festzuhalten, desto unglücklicher werden wir. Höchste Zeit, seine ruhige, treue Schwester kennenzulernen: Zufriedenheit zeigt uns, wie viele kleine Freuden uns das Leben jeden Tag schenkt
10 Tipps für mehr Zufriedenheit
  
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Einen Glücksratgeber hat Dr. Christina Berndt nie gelesen. „Obwohl wir an denen ja heute gar nicht mehr vorbeikommen“, sagt die Buchautorin aus München. Die Unzufriedenheit, die viele zu derartigen Titeln greifen lässt, kennt die 47-Jährige allerdings sehr genau: „Ich bin berufstätig, habe zwei Kinder, einen Mann, schreibe, halte Vorträge, Lesungen – der völlige Wahnsinn im Grunde genommen.“ Sie lacht, wird aber gleich wieder ernst. „Diese innere Zerrissenheit, dieses schlechte Gewissen den Kindern oder meinem Mann gegenüber, dieses Gefühl, nirgends wirklich zu genügen, das nagt auch an mir.“ Doch für sie ist Glück nicht die Lösung, sondern Teil des Problems, denn: „Glück ist selbst zur Pflichtaufgabe geworden“, kritisiert Christina Berndt. 

Ohne uns dessen bewusst zu sein, entziehen wir dem Glück damit seine wichtigste Grundlage: Es lebt davon, dass wir eben gerade nicht mit ihm rechnen. Es will nicht im Voraus geplant, nicht endlos wiederholt werden. „Je mehr wir nach Glück streben, desto weniger glückliche Momente werden wir erleben“, warnt unsere Expertin. „Schon aus diesem Grund kann Selbstoptimierung, die überall Einzug gehalten hat, nicht glücklich machen. Es bleibt immer der Beigeschmack, nur das erreicht zu haben, was man längst schon erreicht haben wollte.“ 

Doch anstatt diesen faden Beigeschmack zu hinterfragen, sehen wir darin nur den Beweis, dass wir uns nicht genug angestrengt haben – und rackern uns noch mehr ab. Schwinden die Kräfte, soll es oft der Partner, die Partnerin richten: „Mach mich glücklich!“ Dass diese Erwartung so überzogen ist wie die Vorstellung, auch noch in 20 Jahren so verliebt zu sein wie am ersten Tag, erkennen viele Paare erst sehr spät, nicht selten zu spät.

Dr. Christina Berndt, 47,

studierte Biochemie und promovierte in Heidelberg. Sie ist Wissenschaftsjournalistin und lebt mit ihrer Familie in München. 

„Es ist eine Hyperhyper-Erwartung“, meint Christina Berndt. Und die kann nur enttäuscht werden. Die Folge: „Wer zu sehr nach Glück strebt, bekommt zu- nehmend Angst vor den Widrigkeiten des Lebens“, ergänzt die Wissenschafts- journalistin. „Wer auf Teufel komm raus glücklich sein will, muss sich vorm Teufel gut verstecken.“ Das Streben wird zum Stress, zum Glücksstress. Sollten wir es also mit einer Nummer kleiner versuchen? „Nein, nicht kleiner“, korrigiert Christina Berndt, „eine Nummer ruhiger und realistischer.“ Denn so ist sie – die Zufriedenheit. Seit der Hype um das Glück regiert, befeuert von einer ganzen Glücksindustrie, hat sie einen schlechten Ruf. „Ich bin zufrieden ...“ klingt vielen nach Aufgeben und fehlendem Ehrgeiz.

Zufriedenheit hilft uns, vom Besseren für uns auszugehen Nichts davon stimmt. „Zufrieden zu sein, ist überhaupt nichts Negatives“, stellt die Expertin klar. „Im Gegenteil: Sich Ziele zu setzen und zu erreichen, macht überaus zufrieden. Aber ich baue nicht dauernd Luftschlösser, renne nicht immer wieder gegen die Wand, sondern frage mich: Wo ist meine Tür? Komme ich außenrum?“ Die dickste Wand steht nicht selten in unseren Köpfen. „Es ist dieser negative, perfektionistische Blick auf uns und das, was uns widerfährt, den wir oft schon als Kinder lernen“, erläutert Christina 

Berndt. „Gerade für Frauen ein großes Problem. Männer gehen da viel gnädiger mit sich um.“ Nach Vorträgen oder Talkshows grübelte sie früher oft selbst bis tief in die Nacht über diesen einen missratenen Satz nach. Das ist vorbei. „Heute konzentriere ich mich stattdessen auf all die Sätze, die gut waren“, erzählt Christina Berndt. „Das ist für mich ein großer Gewinn.“ Typisch für die Zufriedenheit: Wir müssen gar nicht viel tun, damit sie sich einstellt. 

Zufriedenheit schenkt uns Zuversicht

Häufig genügt es schon, innerlich einen Schritt zurückzutreten: Ist die Kollegin wirklich wegen meines Vortrags aus dem Raum „geflüchtet“ – oder musste sie bloß auf die Toilette? Will ich mich über den BMW-Fahrer ärgern, der mir die Vorfahrt genommen hat – oder war er einfach nur in Gedanken? „In den meisten Fällen gibt es eine andere Möglichkeit, auf die Dinge zu blicken“, ermutigt Christina Berndt. „Ich muss nicht alles auf mich persönlich beziehen. Und solange ich keine stichhaltigen Gegenargumente habe, darf ich vom Besseren für mich ausgehen.“

Das hat nichts mit Hochmut oder der rosaroten Brille zu tun. „Eigene Fehler zu analysieren, ist sinnvoll“, sagt Christina Berndt. „Tauchen aber zerstörerische Gedanken auf wie ‚Ich kann es ja auch nicht besser!‘, hilft Zufriedenheit, auf die Bremse zu treten.“ Okay, tröstet sie uns, jeder hat mal einen schlechten Tag. „Das hat mich an der Zufriedenheit am meisten überrascht“, erzählt die Buchautorin. „Dass sie uns hilft, milder mit uns zu sein, wenn wir mies gestimmt sind, und dass diese Phasen sogar nützlich sind. Denn schlechte Laune macht uns aufmerksamer und weniger gutgläubig.“

Vor allem aber lässt uns die Zufriedenheit darauf vertrauen, dass wieder gute Tage kommen. Erinnert uns daran, wie viel wir schon gemeistert haben. Schenkt uns Gelassenheit. Und dann, ganz plötzlich, klopft das Glück an die Tür. 

Sind Sie wirklich zufrieden? Machen Sie den Test!

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Persönlichkeit | Psychologie
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