Erkrankungen

Krankheit Leben mit Multiple Sklerose

Jacqueline Carnevale war erst 19, als ihre Ärzte sie mit einer furchtbaren Diagnose konfrontierten: Multiple Sklerose. Doch die Bremerin, heute 26, lässt nicht zu, dass die Krankheit ihr das Leben vorschreibt.
Paar, Parkbank
   

Eine glückliche Familie“, würde man denken, kämen sie einem zufällig auf dem Bremer Rathausplatz oder der Böttcherstraße entgegen: Jacqueline Carnevale, ihr Mann Claudio Behrensdorf und im Kinderwagen die vier Monate alte Chiara. Schnell würde die Erinnerung an diese kurze Begegnung wieder verblassen, weil sie so normal ist, so alltäglich. Weil niemand sehen kann, das Jacqueline unheilbar krank ist.

Seit ihrem neunzehnten Lebensjahr leidet die 26-Jährige an Multipler Sklerose, kurz MS. Ihr eigenes Immunsystem greift jene Hülle an, die die Nervenfasern umgibt und isoliert. Abwehrzellen dringen in ihr Hirn und Rückenmark ein und lösen dort Entzündungen aus, was zu Lähmungen, Ausfallerscheinungen und Missempfindungen führt. Mit jedem weiteren Krankheitsschub wird es schlimmer.

„Sie kommen ohne Vorwarnung“, erzählt Jacqueline. „Es kann passieren, dass alles in Ordnung ist, wenn ich abends ins Bett gehe. Und dann wache ich mit einer gelähmten rechten Körperseite auf.“ Eine bedrückende Vorstellung. „Genau so fing es auch an. Da war auf einmal eine Körperseite taub.“ Jacqueline überlegt laut. „War es die rechte, die linke? Das weiß ich gar nicht mehr.“ Sie lächelt, als wollte sie fragen: Ist das jetzt wirklich noch so wichtig? Nein, nicht mehr. Denn seit dem 2. Dezember 2010 ist Chiara da. Jacqueline darf Mutter sein. Damit erfüllte sich ihr größter Wunsch. Behutsam nimmt die Bremerin ihre kleine Tochter aus der Babyschale. „Am liebsten hätte ich sie immer nur bei mir.“ Sie erzählt von der Geburt, von dem einzigartigen Duft, den alle Neugeborenen verströmen. „Um drei Uhr morgens war es so weit. Solche Augenblicke kann man nicht in Worte fassen“, sagt Jacqueline nachdenklich. „Die habe ich alle gespeichert. Vorher hatte ich ja bloß negative Erinnerungen ans Krankenhaus.“

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Symptome | Therapie