Gelenk- und Arthrose-Special

Gesundheit Neue Methoden bei Knieproblemen

Knie

Eine Zeit lang wurde in einem schwedischen Einrichtungshaus ein Schwingsessel hinter Glas gequält. Immer wieder presste eine gnadenlose Hydraulik die Sitzfläche nach unten, um ihre Haltbarkeit zu beweisen. Unsere Knie haben mit dem Sessel einiges gemeinsam. Jede Treppe, jedes Tennisspiel, jeder Sprung und jedes Kilo Körpergewicht zu viel ist für die flexible Verbindung zwischen Ober und Unterschenkel ein Härtetest. Das hat Folgen: Für zehn Millionen Deutsche gehören Schmerzen im Knie zum Alltag. Trotzdem zögern Orthopäden eine Kunstgelenk-OP heute so lange wie möglich hinaus. Jeden Eingriff ins Knie führen sie so sanft wie möglich durch. Immer kleinere OPWerkzeuge und neue Materialien helfen dabei. VITAL fragte Dr. Wolfgang Klauser, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Endo-Klinik Hamburg, wie gut die neuen Verfahren sind.

Jeder Meniskus wird durchgewalkt – bis er Risse bekommt
Die beiden Knorpelsicheln in jedem Knie verbessern die Kraftübertragung und wirken wie ein Stoßdämpfer. Je stärker sie zum Einsatz kommen (z. B. bei Profisportlern oder Fliesenlegern), desto eher entstehen Risse. „Sie können auch durch Traumata wie Stürze entstehen“, erklärt Dr. Klauser. „Viele Patienten spüren lange gar nichts. Manche können das Knie nicht durchstrecken, andere haben ein Knacken oder ein dumpfes Ziehen im Gelenk.“ Die Größe und Lage der Risse bestimmt die Behandlung:

Nähen und Teilentfernen

Je besser das betroffene Meniskusareal durchblutet ist, desto eher können Risse genäht werden. „Dafür setzen wir unterschiedliche Fäden und OP-Techniken ein – alle minimalinvasiv“, so Klauser. Der Meniskus bildet sich neu, die Fäden lösen sich innerhalb von drei bis sechs Monaten auf. „Nach dem Eingriff darf das Knie vier bis sechs Wochen lang nur teilbelastet werden.

Er kommt vor allem für jüngere Patienten infrage“, so der Experte. „Liegen die Risse in einem schwach durchbluteten Areal oder sind sie Folge altersbedingter Abbauprozesse, wird in der Regel teilentfernt.“
Fazit: geeignet.
 

Meniskus-Implantate

Sie bestehen aus Kunststoffen, die der Körper nicht abstößt, und dienen als Gerüst, in das neue Blutgefäße und meniskusähnliches Gewebe einwachsen sollen. Vorher wird bei einer Gelenkspiegelung der geschädigte Meniskus zurückgeschnitten. Mit dem Skalpell passt der Chirurg das Implantat auf dem OPTisch an, führt es ins Knie ein und vernäht es. Innerhalb von neun Monaten bildet sich dann, laut Herstellerangaben, neues Gewebe. „Da wäre ich sehr vorsichtig“, lautet das Fazit von Klauser.
„Einige Studien zeigen zwar, dass es zu Einbauprozessen kommt. Aber es gibt keine Langzeitdaten. Eine Prognose ist da schwierig.“ Hinzu kommt: Nur wenn das Implantat die optimale Größe hat und millimetergenau eingesetzt wird, kann es als Meniskusersatz wirken. „Außerdem darf der Patient keine Ooder X-Beine haben“, nennt Klauser eine weitere Einschränkung. Kürzlich äußerte auch die US-Arzneimittelbehörde FDA Zweifel und bezeichnete ihre Zulassung für Menikus-Implantate als Fehler.
Fazit: eher ungeeignet.

Transplantation
So wie innere Organe können auch die Menisken etwa von Unfallopfern transplantiert werden. Der Vorteil: Zu Abstoßungsreaktionen kommt es in diesem Fall nicht. Bei einer eineinhalb- bis zweistündigen OP wird der Spendermeniskus durch einen Minizugang in das Knie eingesetzt. Danach sind fünf bis sechs Wochen Schonung und Krankengymnastik nötig. „Auch das gelingt nur, wenn die Beinachse korrekt ist“, betont Dr. Klauser. „Sonst wird das Transplantat mit der Zeit zerrieben. Stimmt der Flüssigkeitshaushalt im Gelenk nicht, zerfällt es.“
Fazit: eher ungeeignet. 

Zu aufreibend 

Knorpelschäden treten im Knie am häufigsten auf
Es ist ein Prozess, der über Jahre im Stillen abläuft. Sowohl Überlastung (z. B. Leistungssport, Beruf, Übergewicht) als auch Bewegungsmangel, ein Unfall oder angeborene Fehlstellungen machen den Knorpel faserig und rau. Teile lösen sich, wirken wie Sand im Getriebe und verursachen Entzündungen. Das Knie wird dick, heiß und rot, fühlt sich morgens an wie eingerostet. Mehr als fünf Millionen Kniearthrosepatienten geht es so. Mit diesen Therapien versuchen Ärzte, den Knorpelabbau einzudämmen:

Knorpelglättung
Im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) wird der Knorpel mit einer Mini-Fräse begradigt. Neuere Geräte tragen ihn mit Radiowellen ab. „Das ist in meinen Augen aber keine gute Option“, so Klauser. „Ich bevorzuge die Mini-Fräse.“ Damit lassen sich auch größere Schäden glätten. Schon einige Tage nach dem Eingriff kann das Knie wieder belastet werden.
Fazit: geeignet.

Mikrofrakturierung
Bei kleineren Schäden (max. zwei Quadratzentimeter) wird der Knorpel angebohrt. „So gelangen Stammzellen in das betroffene Gebiet, und es bildet sich neues Gewebe“, erklärt Klauser. „Das Verfahren ist durchaus erfolgreich.“ Das gilt jedoch vor allem für Patienten, die jünger sind als 45 und nicht bei Arthrose. Hinzu kommt, dass der neue Knorpel einerseits fragil ist, andererseits nur durch Bewegung stabil wird. Das macht die Nachbehandlung sehr anspruchsvoll. „Sie dauert bis zu sechs Monate“, weiß Klauser.
Fazit: geeignet.

Knorpel-Knochen-Transplantation
Solange es gesunde Knorpelregionen gibt, können dort im Rahmen einer zwei- bis dreistündigen OP kleine Gewebe-Zylinder entnommen und in die geschädigte Region versetzt werden. „Ebenfalls erfolgversprechend“, urteilt Klauser. „Vorausgesetzt, die Beinachse ist gerade und es wird mit sauberer Technik gearbeitet.“ Etwa drei Monate darf das operierte Gelenk nicht belastet werden. Nachteil: Gesundes Gewebe wird verletzt.
Fazit: geeignet.

ACT
Bei der Autologen Chondrozyten-Transplantation werden zunächst bei einer Arthroskopie intakte Knorpelzellen entnommen, im Labor vermehrt und danach bei einer zweiten OP in den Defekt gespritzt. „Ein Knochenhautlappen wird darüber genäht, damit die neuen Zellen nicht in die Gelenkflüssigkeit gespült werden“, erläutert Klauser den Eingriff. Nach etwa acht Wochen darf der Patient mit der Reha beginnen. „Die ACT ist ebenfalls eine Methode, zu der es bislang noch keine Langzeitdaten gibt“, sagt Klauser. „Aber die Ergebnisse, die bislang vorliegen, sind gut.“
Fazit: geeignet.

Natürliche Alternativen

In der Enzymtherapie werden die Proteasen („Proteinspalter“) Bromelain und Trypsin eingesetzt. Enzympräparate enthalten diese Enzyme in gereinigter Form. Besonders wirksam sind Kombinationspräparate, in denen sich verschiedene Enzyme in ihrer Wirkung ergänzen. Eingesetzt werden können Enzympräparate bei allen entzündlichen Prozessen und damit verbundenen Schmerzen. Denn Enzymkombinationspräparate wirken im Gegensatz zu klassischen Schmerzmitteln direkt gegen die Ursache der Schmerzen, die Entzündung. Sie unterdrücken die Entzündung und ihre Symptome nicht, sondern unterstützen den schnelleren Ablauf und damit die beschleunigte Abheilung der Entzündungsreaktion.

Die Wirkstoffkombination aus den Enzymen Bromelain und Trypsin wirkt sowohl entzündungsregulierend als auch abschwellend und dadurch schmerzlindernd. Das ebenfalls enthaltene Flavonoid Rutosid unterstützt den abschwellenden Effekt und wirkt antioxidativ. Die Durchblutung wird angeregt und Muskeln und Gelenke verstärkt mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Studien belegen außerdem: Entzündungsbedingte Arthrose-Schmerzen lassen sich mit Enzymkombinationspräparaten genauso wirksam reduzieren wie mit dem Schmerzmitteln. Die Enzyme punkten allerdings mit weitaus besserer Verträglichkeit und sind daher auch für die Langzeiteinnahme geeignet – ein wesentlicher Vorteil bei chronischen Erkrankungen.
 

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