Ratgeber

Brustkrebs Vorsorge auf dem Prüfstand

Seit Angelina Jolies Brustamputation überlegen viele Frauen: Ist dieser Schritt sinnvoll, um das Brustkrebs-Risiko zu senken? Muss auch ich zum Gentest? VITAL beantwortet drängende Fragen.
Brueste einer Frau
     

Hat Angelina Jolie Mut bewiesen? Oder war das operative Entfernen beider Brüste eine „Panikhandlung“ des Hollywood-Stars? So nennt es Alice Schwarzer, Deutschlands bekannteste Feministin. Einfache, eindeutige Antworten darauf gibt es nicht. Aber Fakten, die jede Frau kennen sollte, bevor sie so eine schwere Entscheidung trifft.

Welche Zahlen liegen bislang vor?

Pro Jahr erkranken etwa 72 000 Frauen in Deutschland neu an Brustkrebs. Bislang sind zwei Gene bekannt, die das Erkrankungsrisiko eindeutig er höhen können: BRCA1 und BRCA2. Jeder Mensch trägt zwei Varianten der beiden Gene in sich. Ist eine krankhaft verändert, liegt das Risiko, dass z.B. die Mutter ein defektes Gen an die Tochter vererbt, rechnerisch bei 50 Prozent.

Wie riskant sind mutierte Brustkrebs-Gene?

Fachleute gehen davon aus, dass eine von zehn Frauen in ihrem Leben an Brustkrebs erkrankt. Dagegen entwickelt sich bei acht von zehn Frauen mit
mutiertem BRCA-Gen ein bösartiger Tumor in der Brust, bei sechs von zehn in den Eierstöcken (Ovarien). Diese Zahlen bekam auch Angelina Jolie von
ihren Ärzten zu hören.

Wann ist ein Gentest sinnvoll?

Die medizinischen Leitlinien raten u. a. zu einem Test, wenn in der Familie „mindestens drei Frauen an Brustkrebs erkrankt sind“, „mindestens eine Frau mit 35 Jahren oder jünger an Brustkrebs erkrankt ist“ oder „mindestens eine Frau an Brustkrebs und eine Frau an Eierstockkrebs erkrankt ist“.

Wie läuft der Gentest ab?

Ihnen wird eine Blutprobe entnommen. Wegen der Überlastung der Labore kann es aber mehrere Monate dauern, bis das Ergebnis Ihres Gentests vorliegt. Auch das macht das begleitende Beratungsgespräch extrem wichtig. Was erfahre ich durch den Test?  Will ich das überhaupt wissen? Wie gehen
meine Familie und ich damit um? Psychologen und Humangenetiker helfen Ihnen, diese und ähnliche Fragen für sich zu beantworten. Der Test kostet ca. 1500 Euro, bei familiärer Vorbelastung zahlt Ihre gesetzliche Krankenkasse.

Was bedeutet das Testergebnis?

Große Erleichterung, wenn keine BRCA-Veränderungen gefunden werden. Aber erkranken könnten Sie trotzdem. Früherkennung bleibt Pflicht. Schlägt der
Test an, ist das kein Grund zur Panik. Betroffene sollten sich erneut beraten lassen und in Ruhe abwägen. Die Brustamputation senkt das Erkrankungsrisiko zwar um 90 Prozent, ist aber nur eine Möglichkeit. Infrage kommen auch engmaschige Untersuchungen alle sechs Monate oder das Einnehmen von Medikamenten.

Wo finde ich weitere Infos?

Zum Beispiel beim BRCA-Netzwerk, Telefon 0151/20 11 96 51, www.brcanetzwerk.de, oder beim Krebsinformationsdienst in Heidelberg, Telefon
0800/4 20 30 40, www.krebsinformationsdienst.de und www.dkfz.de.

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Schlagworte
Erkrankungen | Gesundheit
Autor
Stephan Hillig