Ratgeber

Harninkontinenz Der Blasenschrittmacher

Bei Blasenschwäche helfen Medikamente oder Beckenbodentraining – und in schwierigen Fällen ein Schrittmacher.
     

Für mich begann 2006 ein neues Leben. Und das verdanke ich dem Blasenschrittmacher“, sagt Gertraud Schlechter aus der Nähe von Heilbronn. „Die Inkontinenz hatte mich völlig isoliert.“ Die letzten beiden Jahre vor der Operation traute sie sich kaum mehr aus dem Haus. Leicht fällt es der 52-Jährigen nicht, ihre Geschichte zu erzählen. Aber sie möchte informieren, verhindern, dass andere Frauen ebenso leiden müssen wie sie. In Deutschland sind 2,6 Millionen Menschen unter 65 Jahren von Blasenschwäche betroffen. Dazu kommen noch einmal 14,7 Millionen Ältere. Ein viel verschwiegenes Leiden. Deshalb erhalten viele Patienten nicht die Therapien, die ihnen helfen könnten.

Für Gertraud Schlechter begann alles mit einem Routineeingriff. Im Alter von 39 Jahren musste sie sich die Gebärmutter entfernen lassen. Um einem Absacken und damit einer Blasenschwäche vorzubeugen, wurde die Blase noch in derselben Operation neu „aufgehängt“. Der Effekt war nicht wie gewünscht. Eine leichte Inkontinenz stellte sich ein. „Ich ging zu einem Urologen, aber der war keine Hilfe und wenig sensibel. Deshalb versuchte ich, das Problem mit Einlagen in den Griff zu bekommen“, erinnert sie sich. Anfangs gelang das, dann nahmen die Beschwerden zu. „Diesen Zustand wollte ich nicht so einfach hinnehmen. Doch dass es so schwierig werden würde, eine geeignete Behandlung zu finden, konnte ich natürlich nicht wissen.“ Was folgte, war eine jahrelange Klinik-und-Ärzte-Odyssee. Alle Therapien schlugen fehl. Mal trocknete ein Medikament so stark den Mund aus, dass es abgesetzt werden musste. Auf andere Mittel reagierte Gertraud Schlechter allergisch. Monatelange Krankengymnastik brachte nur kurzfristigen Erfolg. Und dazwischen immer wieder Operationen – insgesamt zehnmal.

„Ich fühlte mich völlig allein“

Einige Behandlungen verschafften ihr für kurze Zeit Erleichterung. „Aber dann wurde es jedesmal wieder schlimmer“, sagt die heutige Schrittmacher-Patientin. Als bei einer so genannten „Zügelplastik“ die Blase in einer Art Hängematte befestigt wurde, vertrug sie das verwendete Netzmaterial nicht. Es kam zu einer schweren Entzündung im Bauchraum, deren abgekapselte Herde ihr bis heute zu schaffen machen.

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