Ratgeber

Natur Wenn die Natur Pause hat

Einkuscheln, ausspannen: Igel, Bär & Co. ruhen, bis der Frühling sie wieder wach kitzelt. Winterschlaf ist eine fantastische Erfindung. Nachmachen geht für uns zwar leider nicht – aber daraus lernen. Für einen angenehm entspannten Wohlfühl-Winter.
Winterschlaf in der Natur
  
Kälte kriecht durch die Ritzen. Der Wind fegt um die Ecken. Es regnet, es schneit, es braust. Und wir trinken Tee und warten. Darauf, dass es wieder länger hell ist abends und die Sonnenstrahlen dem Wecker morgens zuvorkommen. Darauf, dass der Wald nicht mehr schwarz-weiß scheint, sondern satt-grün duftend. Alles ist ein bisschen träger und gedämpfter in dieser Zeit, besonders wir selbst. Das regelt unser Körper ganz von allein: je kürzer die Tage, desto größer wird das Schlafbedürfnis. Daran können wir nichts ändern, das richtet sich nämlich nicht nach unseren Terminkalendern, sondern nach dem Hormonspiegel. Melatonin macht müde. Und weil im Winter die Nächte länger sind, ist der Melatoninspiegel – anders als im Sommer – auch tagsüber erhöht. 
 

Akzeptieren statt rotieren

Macht die Natur schließlich auch. Sie schaltet einen Gang runter und sammelt Kraft für den Frühling. Sie hat ein perfekt ausgeklügeltes Programm: Wird es draußen dunkler und die Nahrung knapper, reduziert sich bei Igeln, Braunbären und Hamstern die Körpertemperatur. Stoffwechsel und Herzschlag verlangsamen sich. So können sie drei bis sechs Monate fast nichts tun. Sie ziehen sich zurück oder graben sich ein und verschlafen den Winter einfach, manche sogar komplett. Wenn sie wieder aufwachen, ist ihre Speckschwarte geschrumpft, ihre Muskeln aber sind noch immer kraftvoll. Eine traumhafte Vorstellung: sich schneewittchengleich hinlegen und von Tag zu Tag schöner werden, in vollkommener Ruhe – und dann irgendwann wach geküsst werden. Von einem Prinzen. Oder von der Sonne. Hauptsache: von etwas Schönem.
 
Wissenschaftler erforschen seit Jahrzehnten den Winterschlaf, um zu verstehen, wie Tiere es schaffen, ihren Stoffwechsel zu drosseln und auf Fettverbrennung umzustellen. Wenn man das wüsste, wäre das nicht nur der Durchbruch zum ewigen Schlanksein und verzögerten Altern. Es würde auch die Transplantationsmedizin revolutionieren. Organe könnten problemloser transportiert und verpflanzt werden, weil sie länger hielten. Patienten wären auch nach komplizierten Brüchen schneller wieder mobil. Die Alzheimerforschung setzt ebenso große Hoffnung in die Winterschlafforschung, weil Eichhörnchen und Ziesel zwar nach dem Aufwachen Gedächtnis- störungen haben, diese aber innerhalb von wenigen Tagen verschwinden. Klingt nach Science-Fiction, scheint aber mittlerweile gar nicht mehr so abwegig. 
 
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Autor
Manu Schmickler