Ratgeber

Vorsorge Gesundheitsmuffel Mann

Der erste deutsche Gesundheitsbericht beweist: Männer sind Vorsorgemuffel. Das hat fatale Folgen. Die Hintergründe – und Tricks, wie Sie ihn zum Arzt kriegen.
  

Niemals klagen, auch wenn’s noch so wehtut. Bloß nicht zugeben, dass man sich Sorgen um die Gesundheit macht. Das böse „K-Wort“ ausblenden. Der Körper ist schließlich eine Maschine, die funktioniert: Auch 2011 machen die meisten Männer noch einen großen Bogen um Ärzte und Vorsorgetermine. Als litten sie vor allem an einer typisch männlichen Wartezimmer-Phobie. Männer verschenken durch Raubbau an der Gesundheit fünf Jahre ihrer Lebenszeit Den Verdacht hegten Frauen schon länger, bewiesen hat die männliche Gesundheitsmuffelei jetzt der „Erste Deutsche Männergesundheitsbericht“ der Stiftung Männergesundheit in Berlin. Danach beurteilen vier von fünf Männern ihre Gesundheit als gut oder sogar ausgezeichnet. Eine fatale Fehleinschätzung: Ihre aktuelle Lebenserwartung liegt bei nur 77,6 Jahren, die von Frauen bei 82,7. Dazu sagt die Bielefelder Medizinstatistikerin Prof. Doris Bardehle, Herausgeberin des Berichts: „Weil sie im Beruf stark eingespannt sind, ernähren sich viele Männer ungesund, rauchen, trinken zu viel Alkohol und halten insgesamt eher wenig von Vorsorgeuntersuchungen.“ Noch vor einigen Jahren glaubten Wissenschaftler an eine genetische Komponente bei der Lebenserwartung. Heute vermuten Altersforscher, dass das Erbgut gerade mal ein Jahr ausmacht. Die restlichen Gründe liegen vor allem bei den Männern selbst, in ihrem Lifestyle und auch in ihrem Umfeld. „Ihre stressige und ungesunde Lebensweise geht relativ lange gut. Erst wenn die ersten Beschwerden auftreten, zum Beispiel ein hoher Blutdruck oder ein chronischer Husten, kommen Männer zum Arzt“, sagt Dr. Waltraud Pfarrer, Fachärztin für psychosomatische Medizin in Hamburg.

Nicht mal jeder Vierte geht zur Vorsorgeuntersuchung

Das führt zu bitteren Konsequenzen. Zwischen 40 und 50 Jahren erleiden Männer fünfmal so häufig wie Frauen einen Herzinfarkt. Ihr höherer Alkoholkonsum ist für einen von zehn Krebsfällen verantwortlich, aber nur für einen von 33 bei Frauen, ergab vor Kurzem eine Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam. Das Fettleibigkeitsrisiko bei 45-jährigen Männern liegt um 33 Prozent höher als bei Frauen, denn sie essen zu viel Fleisch und Fett, zu wenig Obst und Gemüse. Außerdem haben sie schlechtere Zähne. Besonders bohrerscheu verhalten sich junge Männer zwischen 20 und 25 Jahren, besagt eine neue Studie der Barmer Ersatzkasse. Und Männer sind weitgehend vorsorgeresistent. Kaum jeder Vierte nutzt die Chance, Darmkrebs durch eine Darmspiegelung schon im Vorstadium zu erkennen. Ähnlich schlecht sehen die Daten für den internistischen Check-up ab dem 35. Lebensjahr oder das Hautkrebs-Screening aus. Vielen mag es unmännlich oder eklig erscheinen, sich Prozeduren wie einer Darmspiegelung oder Prostata- Untersuchung zu unterziehen.

Für viele Ärzte ist Männergesundheit ein medizinisches Niemandsland

Schlecht steht es auch um ihre Seele. Männer greifen vermehrt zu Drogen, Alkohol oder begehen Selbstmord. „Ihre Suizidrate übersteigt die von Frauen mindestens um das Drei- bis Vierfache“, sagt die Sozialwissenschaftlerin Dr. Anne Maria Möller-Leimkühler von der Universitätsklinik München. Hilfsangebote lehnen sie oft ab. Mann will kein Weichei sein. „Je ausgeprägter sein traditionelles Rollenbild, desto geringer die Bereitschaft, sich bei einer psychischen Störung behandeln zu lassen“, so Möller- Leimkühler. Das gilt auch für Vorsorge und Arztbesuche. Tatsächlich lernen viele Jungs von ihren Vätern, dass Indianer keinen Schmerz kennen, lernen, cool zu sein statt zu weinen, Stärke statt Schwäche zu zeigen. Dazu kommt ein Manko der modernen Medizin. „Männer vernachlässigen nicht nur sich selbst, sie werden auch vernachlässigt“, erklärt Prof. Doris Bardehle. Denn Ärzte wissen immer noch zu wenig über männliche Probleme wie hormonelle Schwankungen. Es fehlen Informationsangebote im Internet und Männersprechstunden nach Feierabend. Und Männerärzte sind rar gesät, während Mädchen schon mit zwölf ganz selbstverständlich zur Gynäkologin gehen. Übrigens: Die Beipackzettel von Arzneien sind reine Männersache. Die richtige Dosis, Nebenwirkungen – alles ausschließlich getestet an männlichen Probanden.

Checks für ihn:

Check-up 35 Männer können ab 35 alle zwei Jahre Herz, Nieren und Kreislauf untersuchen und sich auf Diabetes testen lassen. Blutdruck öfter selbst prüfen!

Hautkrebs-Screening Ab 35 sollte ein Dermatologe die Haut alle zwei Jahre auf ver dächtige Veränderungen prüfen, um Krebs früh zu erkennen. Die Kassen übernehmen die Kosten.

Prostata-Check Ab 45 zahlen die Kassen einmal jährlich eine Tastuntersuchung. Besser: eine Ultraschalluntersuchung. Sie muss mit rund 40 Euro aus eigener Tasche bezahlt werden.

Darmspiegelung Die Kassen zahlen ab 55 die Untersuchung des Dickdarms per Endoskop. Polypen, die zu Krebs führen können, werden dabei abgetragen. Zehn Jahre später ein zweiter Check. Experten raten aber zum Fünf-Jahres-Rhythmus. Kosten: ab 200 Euro.

Zahn-Check Eine kostenfreie Inspektion der Zähne, des Zahnbetts, der Schleimhaut, Kaumuskeln, des Kiefers zweimal im Jahr.

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