Ratgeber

Blutfettwerte Neue Fakten über Cholesterin

Nie wieder Fleisch, ein Leben lang Pillen schlucken – Quatsch! Die neuen Fakten über Cholesterin: Bei einem zu hohen Wert das Richtige essen. Und statt Medikamenten auf Meditation und Tai-Chi setzen.
Wahrheit Cholesterin
  

„Leider sind Ihre Blutfettwerte zu hoch.“ Bei diesem Satz nach dem Arztcheck zuckt jeder zusammen und denkt automatisch an das Schreckgespenst Herzinfarkt. Stimmt schon, zwei Drittel der Deutschen haben einen zu hohen Cholesterinspiegel. Und der stellt unstrittig ein Risiko für Herz und Gefäße dar. Doch keine Panik, Cholesterinwerte sind Momentaufnahmen, die um bis zu zehn Prozent schwanken. Ein heute zu hoher Wert kann in ein paar Wochen schon wieder im Normbereich liegen. Falls nicht, verrät ein Lipidprofil die genaue Schieflage der Blutfette. „Grundsätzlich sollte aber jeder Erwachsene seine Blutfettwerte kennen“, fordert Prof. Achim Weizel, Vorsitzender der Lipid-Liga in München. Denn nur dann kann man rechtzeitig gegensteuern, um das Schlimmste zu verhüten. Es reicht oft schon, die Lebensgewohnheiten etwas zu verändern. Wie Sie das schaffen und worauf es sonst noch ankommt, verraten die Antworten auf die häufigsten Fragen rund ums Cholesterin.

Ist Cholesterin wirklich so gefährlich, wie immer behauptet wird?

Nein. Cholesterin ist ein lebenswichtiger Baustein aller Zellen, jeder Mensch verfügt in seinem Körper über rund 150 Gramm, davon bis zu 10 Gramm gelöst im Blut. Aus dem Blutfett baut der Organismus zahlreiche Hormone auf, z. B. Östrogen, aber auch Gallensäuren und Vitamin D. Wälzt der Blutkreislauf aber zu viel Cholesterin um, kann das die Arterienwände angreifen, sie „verkalken“. Verantwortlich dafür ist vor allem das „schlechte“ LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein). Darum strebt man dafür einen niedrigen Blutwert an. Im Gegensatz dazu schützt das „gute“ HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein) die Blutgefäße vor Verkalkungen und sollte einen möglichst hohen Wert aufweisen. Das rät immer noch das Gros der Gefäßspezialisten – obwohl sich Beobachtungen häufen, dass die Hälfte der Infarktpatienten unauffällige Cholesterinwerte hat. Diesem Phänomen geht man derzeit mit klinischen Studien auf den Grund.

Welche Werte sind normal?

Starre Richtwerte gelten als passé. Meist besteht aber keine oder nur eine sehr geringe Gesundheitsgefahr, wenn das Gesamtcholesterin unter 200 mg/dl liegt. Steigt der Wert höher, sollten zusätzlich der HDL- und der LDL-Spiegel im Blut bestimmt werden. Bei Frauen ab 55 Jahren, die keinen zusätzlichen Risikofaktor wie z. B. Bluthochdruck haben, wird erst ein Gesamtcholesterin ab 250 mg/dl als behandlungsbedürftig angesehen, eine LDL-Konzentration unter 160 mg/dl als perfekt. Bei zwei oder mehr Risikofaktoren sollte der LDL-Wert weniger als 130 mg/dl betragen. Ein gesunder HDL-Spiegel liegt bei mindestens 45 mg/dl. Gut zu wissen: Ein zu niedriges Gesamtcholesterin fördert bei Frauen Depressionen.

Muss ich Pillen schlucken, wenn LDL und Gesamtcholesterin zu hoch sind?

„Nein, das ist ja noch keine Krankheit, sondern zunächst nur eine Störung des Fettstoffwechsels“, sagt Prof. Weizel beruhigend. „Kein verantwortungsvoller Arzt empfiehlt einem Patienten nur wegen zu hoher Cholesterinwerte eine Behandlung.“ Erst müssen weitere Risikofaktoren wie etwa Diabetes, ein moppeliger Rettungsring um Bauch und Taille, Bluthochdruck, Stress oder Rauchen hinzukommen. Faustregel: je mehr Risikofaktoren, desto höher das Infarktrisiko – und desto nötiger wird eine Therapie.

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