Ratgeber

Immunsystem Schutzfunktion Entzündung

Frau mit Spiegel

Ständig passiert es, oft klammheimlich, ohne dass wir es merken. Beim Atmen, beim Trinken, selbst beim Küssen. Oder bei so banalen Alltagsblessuren, wenn der Unterarm das Bügeleisen touchiert oder eine Fingerkuppe beim Pilzeputzen eingeritzt wird. Dann nämlich kommt der Körper in Tuchfühlung mit Eindringlingen oder äußeren Einflüssen, die ihm schaden können. Seine Reaktion? Eine Entzündung, mit der ihn sein Immunsystem gegen die Invasion heimlicher Krankmacher verteidigt. Der Abwehrkampf setzt auch die nötigen Reparaturarbeiten in Gang und beschützt unsere Gesundheit. Doch ab und zu verliert der Körper: Die Eindringlinge übernehmen das Kommando – er wird krank. Was tun? Aroniabeerensaft oder Tofu helfen. Ein Entzündungsexperte erklärt, warum.

Prof. Eugen Faist, Leiter der Entzündungsforschung, Chirurgische Klinik, Klinikum Großhadern. Er sagt: »Wenn Sie sich richtig ernähren, können Sie sich vor zahlreichen Entzündungen wirksam schützen«

Vital: Bekommen nur Menschen mit einem schwachen Immunsystem eine Entzündung?
Prof. Faist: Ganz im Gegenteil. Nur ein schlagkräftiges Immunsystem reagiert auf einen Reiz, der auf körpereigenes Gewebe ausgeübt wird, mit einer Entzündung. Und zwar mit dem Ziel, infektiöse Eindringlinge daran zu hindern, sich im Organismus auszubreiten.

Was genau passiert dann?
Dieser Verteidigungsprozess ist sehr komplex, läuft jedoch immer nach demselben Schema ab. Vereinfacht erklärt werden über Botenstoffe des Immunsystems Abwehrzellen zum „Angriffsort“ gelockt, um die Eindringlinge zu eliminieren. Eine Entzündung dient also grundsätzlich dazu, Schaden vom Körper abzuwenden und hilft, die Gesundheit zu bewahren. Bei den meisten Bagatell-Entzündungen klappt das reibungslos, ohne dass ein Apotheker oder Arzt helfen muss. Bei Entzündungen etwa durch Bakterien aber ist es immer mal wieder nötig, die Arbeit des Immunsystems z. B. durch ein Antibiotikum zu unterstützen.

Was löst denn eine Entzündung aus?
Die häufigsten Ursachen sind mechanische Reize wie ein Schlag oder ein Schnitt. Auch ein Sonnenbrand ist eine Entzündung. Hinzu kommen Fremdkörper wie etwa ein Splitter, Erfrierungen, Verbrennungen oder chemische Reize durch Säuren. Oft handelt es sich aber um eine Ursachen-Kombination. Denken Sie nur an das Messer, mit dem Sie sich schneiden und über dessen Klinge Bakterien in die Wunde gelangen.

Weitere Infos

• Deutsche Antisepsis-Stiftung, Marchioninistr. 15, 81377 München, Tel. 0 89/70 95 54 61, www.deutscheantisepsis-stiftung.org. Hier können Sie sich über den lebensbedrohlichen Notfall „Blutvergiftung“ informieren. Und darüber, wie Sie ihn verhindern können. Dazu: neueste Forschungsergebnisse. 

• „Versteckte Entzündungen“ von Prof. Dr. Eugen Faist und Dr. Nicole Schaenzler, Graefe und Unzer Verlag, 208 Seiten, 19,99 Euro. Dieser Ratgeber verrät, wie Sie die gefährlichen Krankmacher aufspüren und entschärfen. Mit Risiko-Selbstcheck und einem antientzündlichen Ernährungsprogramm. Dazu viele leckere Rezepte zum Nachkochen.

Woran erkenne ich eine Entzündung?
Für Entzündungen, die sich nicht im Inneren des Körpers, sondern an sichtbarer Stelle befinden, gibt es folgende fünf Anzeichen: Rötung, Schwellung, Erwärmung, Schmerzen und Einschränkung der Funktion. Sie finden sich beim blauen Fleck genauso wie bei der Brandblase oder der Schürfwunde.

Ansonsten fühle ich mich trotzdem fit?
Kämpfen Immunzellen gegen Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze, können Sie sich richtig krank fühlen und Fieber bekommen. Wohl nicht gerade nach einem Pikser durch einen Rosendorn, aber mit ziemlicher Sicherheit, wenn der Abwehrkampf etwa in der Harnblase oder den Mandeln tobt. Das liegt daran, dass Entzündungen vorübergehend Veränderungen im Gewebe bewirken. Sie können dann auch den gesamten Organismus beeinträchtigen.

Gibt es Menschen, die sich besonders leicht eine Entzündung einfangen?
Ja, Risikofaktoren, welche die Aktivität des Abwehrsystems beeinträchtigen können, sind z. B.: Diabetes, Leber- und Nierenerkrankungen, höheres Lebensalter oder Immunschwäche. Und auch Übergewicht.

Haben Dicke eine schlechtere Abwehr?
Nein, der Zusammenhang ist ein anderer. Je höher der Body-Mass-Index, ab etwa 35, und der Anteil des Körperfetts sind – besonders an Bauch und Taille –, desto mehr Entzündungs-Botenstoffe finden sich im Blut. Das trifft übrigens auch auf einen zu hohen Cholesterinspiegel zu. Die Botenstoffe schädigen die Innenhaut der Herzkranzgefäße und führen zu einer Entzündung. Arteriosklerose entsteht – die Gefahr für einen Herzinfarkt steigt. Auch die Halsarterien können betroffen sein. Es droht ein Schlaganfall.

Stichwort Herzinfarkt: Kann auch eine Parodontitis der Auslöser sein?
Ja. Wir wissen heute, dass die für die Parodontitis verantwortlichen Bakterien und Entzündungsstoffe in die Blutbahn gelangen und dort weitere Entzündungen auslösen. Besonders an den Wänden der feinen Gefäße in Herz und Gehirn. Es kann zum Infarkt oder Schlaganfall kommen. Die Krankheitserreger können sogar die Entwicklung einer Osteoporose und Arthritis begünstigen. Zudem ist ein solcher Entzündungsherd eine Belastung fürs Immunsystem. Es wird anfällig für andere Erkrankungen. Deshalb sind professionelle Zahnrei nigung und eine konsequente Parodontitis-Therapie auch so wichtig.

Kann eine Entzündung einen Krebstumor wachsen lassen?
Eine akute Entzündung reicht nicht aus, um gesunde Zellen entarten zu lassen, eine chronische allein vermutlich auch nicht. Allerdings können ihre begleitenden Komponenten durchaus Krebs fördern. Dazu gehören z. B. die hochaggressiven Sauerstoffradikale, die von speziellen Zellen des Immunsystems im Kampf gegen Entzündungen produziert werden. Von einigen chronischen Entzündungen weiß man sicher, dass sie ein erhöhtes Krebsrisiko in sich bergen: z. B. Hepatitis B und C, Blaseninfekte oder eine Speiseröhrenentzündung durch Sodbrennen.

Und wann droht eine Blutvergiftung?
Theoretisch kann jede örtliche Infektion, also eine bakterielle Entzündung, zu einer Blutvergiftung, also der Ausbreitung der Krankheitserreger im ganzen Körper, führen. Jedes Jahr sind rund 160 000 Deutsche betroffen, 40 Prozent sterben daran. Besonders oft erkranken frisch Operierte, Diabetiker und Immunschwache. Sofort den Notarzt rufen sollten Sie bei Unruhe, Schläfrigkeit, Puls von über 100 Schlägen pro Minute, schneller und schwerer Atmung sowie grau-fahler Haut.

Gibt es einen wirksamen Infektionsschutz?
Ja. Schlafen Sie ausreichend, gehen Sie regelmäßig in die Sauna und ergreifen Sie abwehrstärkende Maßnahmen wie Wechselduschen. Bauen Sie Blitz-Entspannung in den Alltag ein, treiben Sie viermal in der Woche Ausdauersport und achten Sie darauf, dass Ihr Körperfett-Anteil nicht über 20 bis 30 Prozent steigt. Stellen Sie vor allem Ihre Ernährung um – für ein Leben ohne Infektionen.

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Schlagworte
Gesund | Immunpower
Autor
Susanne Schütte