Vitamine und Nährstoffe

Ernährung Schluss mit Vitaminmangel

Joggen am Strand

Frauen fehlt oft Vitamin B6

Es ist wirklich paradox. Ausgerechnet in den reichen Industrieländern sind viele Menschen dramatisch unterversorgt mit lebenswichtigen Biostoffen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass von den jungen Europäerinnen zwischen dem 19. und 36. Lebensjahr gerade mal jede vierte ausreichend Vitamin B6 aufnimmt. Und 76 Prozent erreichen nicht einmal die von Ernährungs-Fachgesellschaften empfohlene Minimalzufuhr. Schuld an dieser Mangelversorgung sind vor allem zu viele Diäten und zu häufiges „Schlank-Hungern“.

Defizit auch bei Folsäure

Kaum besser sieht es bei der Folsäure aus. Nur jeder vierte Deutsche nimmt noch genügend von dem B-Vitamin auf. Frauen erreichen im Durchschnitt gerade mal 71 Prozent der empfohlenen Tagesdosis von 0,3 mg, Männer immerhin 88 Prozent. Auch um Vitamin B12 ist es schlecht bestellt. Vor allem bei Veganern, die u. a. auf so wichtige Lieferanten wie Milchprodukte und Eier verzichten, wird häufig ein eklatanter Mangel festgestellt. Ebenso bei Menschen, denen wegen einer Infektion ein Antibiotikum mit dem Wirkstoff Metformin verordnet wird. Der niederländische Endokrinologe Prof. Coen Stehouwer: „Bei einer Dosierung von 850 mg Metformin dreimal täglich geht die Vitamin-B12-Konzentration durchschnittlich um 19 Prozent zurück.“

Vitamine sind Sensibelchen

Die Unterversorgung hat mehrere Ursachen. Eine davon: Trotz aller TV Kochshows weiß kaum jemand, der sich an den Herd stellt, wie extrem empfindlich fast alle Vitamine auf äußere Einflüsse reagieren. Sie mögen weder Licht noch Luft, hassen Wärme und falsche Lagerung. So verliert z. B. Milch schon 30 Prozent ihres Vitamin-B12-Gehalts, wenn sie nur zwei Minuten gekocht wird. Der Folsäureverlust beim Zubereiten von Lebensmitteln beträgt sogar bedenkliche 60 bis 95 Prozent, da der Vitalstoff äußerst fragil ist: Wegen seiner Wasserlöslichkeit geht das B-Vitamin sehr schnell ins Kochwasser über. Das lässt sich nur verhindern, indem man auf lange Garzeiten und das Wieder- Aufwärmen von Speisen verzichtet. Übrigens: Auch das angeblich so schonende Dämpfen vernichtet rund 60 Prozent der lebenswichtigen Folsäure.

Der Fluch der langen Wege

Doch sogar bei ausgewogener Ernährung und richtiger Zubereitung von Nah rungsmitteln kann die tägliche Vitalstoff-Zufuhr unter einem gesunden Wert liegen. Schuld sind unter anderem verfrühte Ernten von Gemüse und Obst, Haltbarkeits-Bestrahlungen sowie lange Lagerzeiten und Transportwege, wenn z. B. Tomaten von Chile nach Europa geschippert werden. Ein weiteres Problem: Um unsere Ackerböden ist es nicht gut bestellt. Monokulturen und Überdüngung haben sie so stark ausgelaugt, dass die Nahrungsmittel überhaupt nur noch 20 bis 30 Prozent ihres einstigen Vitalstoff-Gehalts besitzen. Industrielle Prozesse kosten ebenfalls Vitalstoffe: Getreide verliert durch das Ausmahlen zu Weißmehl bis zu 6o Prozent seiner B6-Vitamine, polierter Reis knapp 50 Prozent. Und Fast Food ist praktisch „vitamintot“.

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Forschung | Gesund | Vitamine