Liebe & Beziehung

Beste Freundinnen

Im Sandkasten lernten sich Ayla und Maggie kennen. Heute, 40 Jahre und zwei pralle Leben später, sind sie immer noch beste Freundinnen.
   

„Sie ist meine engste Freundin“, sagt Maggie über Ayla, sagt Ayla über Maggie. Doch wenn man sich mit den beiden unterhält, ist der erste Eindruck: Das ist nicht deren Ernst. Das soll Freundschaft sein? Die Hochzeit von Ayla vor zehn Jahren? Hat Maggie nicht besucht, weil sie auf Reisen war. Wie Ayla sich denn mit Maggies anderen Freundinnen verstehe? „Weiß nicht“, bekennt Ayla. „Ich kenne die meisten Leute gar nicht, mit denen Maggie sonst noch befreundet ist.“ Umgekehrt ist es genauso. „Komisch, solche Details aus unseren beiden Leben haben uns nie interessiert“, bestätigen die Frauen.

Wer sich mit Eventmanagerin Ayla, 40, und Immobilienmaklerin Maggie, 42, unterhält, ist erst einmal gründlich verwirrt: Da sitzen zwei Frauen, die engste Freundinnen sein wollen – die eine ist aus Bonn, die andere aus Rostock, beide zum Interview nach Hamburg gekommen –, aber so einiges scheinen sie überhaupt nicht voneinander zu wissen. Gleichzeitig sind ihre Gesten, die Blicke, ihr Umgang miteinander aber so vertraut und herzenswarm, dass nicht nur die Raumtemperatur um einige Grade nach oben geht, sondern man auch sehr neugierig wird, wie sie es geschafft haben, einander echte Lebensfreundinnen zu werden. 40 Jahre Ayla und Maggie – eine Zeitspanne, die wenige Ehen und eigentlich auch nur wenige Frauenfreundschaften überstehen. Irgendetwas scheinen die zwei also richtig gemacht zu haben.

Vertraut stecken die beiden im Café ihre Köpfe zusammen, stellen sich draußen am Hafen gemeinsam in den Wind, ein bisschen frische Luft tut gut jetzt. Die Nacht war kurz, bis drei Uhr morgens haben sie ihr Wiedersehen gefeiert, gelacht, geredet und auch ein paar Freudentränen vergossen. 40 Jahre, Wahnsinn! In der gleichen Stadt wohnen die beiden seit fast 30 Jahren nicht mehr, an der Frequenz ihrer Freundschaft hat sich einiges geändert, nicht aber an der Intensität. „Man muss sich nicht jeden Tag sehen oder jeden Tag Kontakt haben, um eng befreundet zu sein“, sagt Maggie. Beobachtet man die beiden, wie sie miteinander sind, ist man sehr gerührt, aber es fährt einem auch ein kleiner Stich ins Herz. Hatte man selbst nicht auch eine Kinderfreundin, die einem früher alles bedeutet hat?

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Schlagworte
Beziehungen | Freundschaft | Gefühle | Glück | Liebe | Verhalten
Autor
Eva Lehnen