Liebe & Beziehung

Beziehung Vergeben, aber nicht vergessen

Fast jede Beziehung wird irgendwann durch einen Vertrauensbruch auf eine harte Probe gestellt. Ihn zu verzeihen genügt nicht. Die Liebe braucht einen Schritt mehr, um neu anzufangen.
Paar ist verliebt
    
Die Enttäuschung klatscht ihr wie ein nasser Lappen ins Gesicht. Keine Einladung zum Essen, nicht mal Blumen! Nur ein flüchtiger Begrüßungskuss, dann plumpst er aufs Sofa. Fußball. Sie steht da, im Bauch eine Menge Wut. Tränen wollen raus. Kein Zögern mehr beim Griff zur Jacke. Er hat schon wieder den Hochzeitstag vergessen. In fast jeder Partnerschaft passieren Dinge, die so wehtun, dass erst mal Funkstille herrscht. Verletzte Gefühle, Enttäuschung und Wut machen sich breit: Wie konntest du nur!? Wer verletzt wurde, zieht sich zurück. Wer verletzt hat, möchte alles wieder gutmachen, erklärt, entschuldigt sich. Doch trotz aller Mühe und Beteuerungen – verzeihen klappt nicht. Die schmerzende Erinnerung bleibt, obwohl der andere sich tausendmal entschuldigt. Denn das genügt nicht.
 
„Passiert in Partnerschaften etwas, was die Substanz angreift, dann geht es nicht mehr ums Verzeihenkönnen“, erklärt die Diplom-Psychologin Carin Cutner-Oscheja aus Hamburg. „Entschuldigungen sind Teil unserer Höflichkeitskultur. Wir verwenden sie oft und floskelhaft.“ Rempeln wir in der U-Bahn jemanden an, verspäten wir uns oder verschütten den Rotwein, ist das für „Täter“ und „Opfer“ gleichermaßen okay. Doch in der Liebe geht es nicht um Etikette. „Hier können sich nur mit dem intensiven Prozess des Vergebens Wunden schließen und wirklich heilen“, sagt Cutner-Oscheja. 
 

Die Fehler verzeihen können

Vergeben heißt: annehmen, was passiert ist, und die Wut loslassen. Klingt einfach. Doch wie schwer es uns in Wahrheit fällt, spüren wir schon bei banalen Konflikten: Fährt er eine Beule ins neue Auto, rückt das fortan jedes Fehlverhalten im Straßenverkehr seinerseits in ein anderes Licht: „Du schon wieder!“ Streit ist programmiert. Auch ein vergessener Hochzeitstag kann Jahre später wieder aufgewärmt werden: „Typisch! Genau wie damals, als...!“ Da scheint es nahezu unmöglich, etwa eine ohne Aussprache getroffene Entscheidung („Du, übrigens, ich gehe beruflich sechs Monate nach England“) oder gar einen Seitensprung zu vergeben. Das liegt allerdings nicht nur an dem Vertrauensbruch selbst, sondern auch an einer häufigen Verwechslung: Vergeben bedeutet eben nicht Vergessen. 
 
 
 
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Schlagworte
Beziehungen | Liebe
Autor
Bettina Levecke