Liebe & Beziehung

Film Filme für die Seele

Kino kann uns viel über soziale Kompetenzen beibringen: Mithilfe ausgesuchter Filme werden wir gelassener, mutiger oder lebendiger
      

Es ist doch nur ein Film. Versuchen wir uns einzureden, wenn unser Herz bis zum Hals schlägt, weil sich der jüdische Pianist unter einem Haufen Müll vor Nazi-Schergen versteckt. Oder uns plötzlich Tränen in die Augen schießen, weil ein trauriger Mann mit Cowboyhut unbeholfen ein kariertes Herrenhemd umarmt.

Ob man sich von solchen Szenen aus „Der Pianist“ und „Brokeback Mountain“ eher distanzieren möchte oder sich haltlos in die fremden Gefühlswelten fallen lässt, ist Typsache. Doch spurlos gehen Kinobesuche an niemandem vorbei. Denn wer einen Film im dunklen Kinosaal sieht, ist den Gefühlen der Leinwandhelden ausgeliefert und kann sich einer emotionalen Berührung nicht entziehen.

Wie das funktioniert, erklärt Dirk Blothner, Professor für Medienpsychologie an der Universität Köln, so: „Nur beim Filmeschauen können wir in einer extrem konzentrierten Form Erfahrungen über das Leben machen.“ Wir fühlen uns beim Zuschauen, als seien wir selbst dabei, verlieben uns zusammen mit June Carter in den jungen Johnny Cash, fahren mit Thelma und Louise den endlosen Highway entlang in die Freiheit. Stellvertretend für uns durchleidet Kevin Spacey in „American Beauty“ das ganze Drama einer erkalteten, zur Gewohnheit gewordenen Beziehung – alles in nur knapp 90 Minuten.

Und das ist ungeheuer befriedigend, denn im Alltag dauert eine Beziehungstrennung oft quälend lang. Gerade weil wir aber auf der Leinwand Liebe, Verlust und Wiederannäherung im Zeitraffer erleben, gehen wir gestärkt und gelöst aus dem Kinoabend hervor. Wir haben das Gefühl, auch für unsere eigenen Liebes- und Lebensfragen eine Antwort gefunden zu haben. Wenigstens vorläufig.

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Schlagworte
Filme | Gefühle | Glück | Liebe | Psychologie
Autor
Anne Otto