Persönlichkeit

Reisen Auswandern nach Alaska

Vorsicht – wer einmal in das Land im hohen Norden Amerikas reist, der kehrt womöglich nie wieder zurück! VITAL-Autorin Brigitte von Imhof traf drei Frauen, die nach einer Reise einfach dageblieben sind.
Hexenhäuschen im Wald
    

Eines wird man in Alaska garantiert nie erleben: einen Stau auf dem Highway! Stattdessen endlos scheinende Straßen vom Irgendwo ins Nirgendwo, vorbei an 3 Millionen Seen, 100 000 eisblauen Gletschern und 3000 donnernden Flüssen. Die Landschaft Alaskas wirkt wie eine gigantische Kinokulisse, alles ist ein bisschen größer, als man fassen kann – und auch einsamer, als manche aushalten können.

In der unüberschaubaren Weite dieses Landes hat Claudia Werner dennoch einen behaglichen Platz zum Leben gefunden: Wie ein Hexenhaus verbirgt sich ihre Hütte im dichten Tannen- und Birkenwald. Weit und breit keine Menschen. Ihr gelebter Traum von Freiheit, Stille, Naturromantik. Wenn auch mit Einschränkungen, denn in ihrer Hütte gibt’s weder eine Toilette noch fließendes Wasser. Das holt sie in riesigen Kanistern aus dem nächsten Ort, dem 15 Kilometer entfernten Talkeetna. „Ohne Auto wäre ich absolut aufgeschmissen”, weiß die 39-Jährige.

Claudia Werner

Claudia Werner verliebte sich nach einem Rucksackurlaub in die Natur Alaskas

Ebenso unverzichtbar: Austin, ein Schäferhund- Husky-Mischling, Tag und Nacht an ihrer Seite, denn auch die Stille kann manchmal laut sein: „Wenn es draußen knackt und knarzt, wird mir schon manchmal mulmig.” Doch sie weiß: Meistens ist es nur ein Luchs auf der Suche nach Nahrung. Völlig normal in der Wildnis. Als Claudia vor 13 Jahren mit dem Rucksack sechs Wochen lang durch „das große Land“ reiste, wie Alaska in der Sprache der Eskimos heißt, spürte sie: „Das ist meins!”

In Deutschland wollte sie ohnehin nicht bleiben, zu groß war die Sehnsucht nach einem anderen, einem naturverbundenden Leben. Dass ausgerechnet Alaska ihre neue Heimat werden sollte, wusste sie erst, nachdem sie die raue Schönheit selbst erlebt hatte. Glück bei der Green-Card- Lotterie half der Darmstädterin beim Neustart. Selbst der ungastliche Empfang in Fairbanks an einem Dezembertag bei Finsternis und minus 55 Grad schreckte Claudia nicht ab. Gegen Kost und Logis heuerte sie bei einer Huskyfarm an. „Alleine auf einem Hundeschlitten in die Nacht hinausfahren, die Stille hören und die Polarlichter funkeln sehen, das ist das pure Glück“, sagt sie.

Heute tourt sie in der Sommersaison mit Reisegruppen quer durch das Land: zeigt ihnen die alten Goldgräberdörfer aus dem 19. Jahrhundert, als Tausende Glückssucher zu den Ufern des Yukon und Klondike River aufbrachen. Begleitet Gletscherfahrten durch den Prince William Sound oder in den Denali-Nationalpark mit dem alles überragenden Mount McKinley. Mit seinen 6194 Metern ist er der höchste Berg Nordamerikas. Freut sich, wenn sie das Leuchten in den Augen der Reisenden sieht. Besonders im Denali Nationalpark: Hier streichen Bären, Elche, Karibus, Luchse, Dallschafe, Wölfe, Moschusochsen oder Kojoten durch die Natur. „Wahre Gänsehaut-Gefühle kommen auf, wenn man um eine Ecke biegt und plötzlich eine Elch- oder Bären- Mama mit ihren Jungen beobachten kann“, schwärmt Claudia. „Das sind immer rührende, überwältigende Momente, auch wenn man sie schon oft erlebt hat.”

Wilde Tiere trifft man durchaus auch in den Städten. Mit 280 000 Einwohnern ist Anchorage die Metropole Alaskas, umgeben von majestätischen Gipfeln, tiefblauen Seen und dichten Wäldern. Erst 1915 wurde Anchorage gegründet, vorher weideten hier Rotfüchse, Elche und Bären – und fast scheint es, als würden die Tiere diese Stadt ebenfalls als festen Wohnsitz betrachten. Mehr als 2000 Elche sollen dauerhaft in der Stadt leben, sie grasen in Vorgärten oder plündern Gemüsebeete, während Braunbären gerne mal mit Mülltonnen Fußball spielen – ein Anblick, an den sich die Einwohner längst gewöhnt haben. 670 000 Menschen verteilen sich über Alaska und das auf einer Fläche fünfmal so groß wie Deutschland. Der nördlichste Staat der USA ist auch der einsamste. Alaska kann man nur hassen oder lieben – so heißt es.

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Schlagworte
Glück | Trends
Autor
Brigitte von Imhof