Persönlichkeit

Tipps Der Traum vom Schreiben

Einmal ein Buch schreiben! Das wünschen sich viele Frauen. Sie haben auch schon eine Idee, aber wissen nicht wie Sie loslegen sollen? Hier finden Sie unsere Tipps.
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5 goldene Schreibregeln

Mein Leben als Buch

Ann-Kathrin Schwarz kennt die Welt der Bücher von zwei Seiten: Nach dem Studium arbeitete sie in mehreren großen deutschen Publikumsverlagen als Lektorin und hat selbst unter dem Pseudonym Anne Weiss mehrere Sachbücher geschrieben. Eines davon ist der Bestseller Generation Doof, laut Spiegel unter den Top 20 der meistverkauften Bücher des letzten Jahrzehnts. Zuletzt leitete sie mit ihrem Kollegen und Co-Autor Jan F. Wielpütz zusammen eine verlagseigene Schreibschule. Inzwischen haben sich beide als freie Autoren, Ghostwriter, Übersetzer und Textredakteure in Köln selbständig gemacht. Mehr unter: www.bonnerweiss.de und www.attraktive-texte.de

1) Lesen Sie! Ein häufig gehörter Satz in Schreibseminaren ist „Seitdem ich Autor bin, lese ich nicht mehr. Ich will mich nicht zu sehr von anderen beeinflussen lassen!“ Doch wer wissen will, wie erfolgreiches Schreiben am besten funktioniert, der spickt. Und zwar nicht mit Copy & Paste – schauen Sie sich lieber an, welche Texte Ihrer Lieblingsschriftsteller Sie selbst total in Verzückung versetzen, und warum. Was lesen Sie gerne, wo geht Ihr Herz auf? Wenn Ihnen eine bestimmte Figurenkonstellation gefällt oder ein besonders spannendes Setting, überlegen Sie, warum das so ist – und bauen Sie es in Ihren nächsten Text ein. Wenn Sie eine Szene besonders berührt hat, nutzen Sie die Mittel, mit denen die Autorin oder der Autor bei Ihnen auf die Tränendrüse gedrückt hat. Lernen Sie von Ihren Vorbildern – und denken Sie Ihrerseits beim Schreiben an den Leser!

2) Gehen Sie niemals ohne einen Notizblock aus dem Haus! Die Ideen kommen, wann Sie wollen – und nicht immer in der richtigen Reihenfolge. Seien Sie vorbereitet – notieren Sie das, was Ihnen einfällt, sofort. Sie werden sehen: Bald haben Sie einen ganzen Strauß von tollen Gedanken beisammen, die Ihnen auch helfen, wenn der Schreibfluss mal stockt.

3) Schmieden Sie einen Plan. Manche Autoren reservieren eine ganze Wand in ihrer Wohnung für ihre Geschichte. Dort sammeln sie alles über die Exposition, den Spannungsaufbau, die Figuren, überraschende Wendungen und das Ende. Soweit müssen Sie nicht gehen, wenn Ihnen der Platz fehlt – auch ein einfaches Word-Dokument kann zur Sammelkiste werden. Aufzuschreiben, wie der Hase läuft, ist immens wichtig: Das Beste, was uns beim Schreiben passieren kann, ist ein gut durchdachtes Exposé! Darin sollten Sie sich den Ablauf Ihrer Geschichte so klar machen, dass Sie später seltener ins Stocken kommen. Sicher, es kann passieren, dass die Charaktere sich zwischendrin mal selbständig machen, wenn wir im Flow sind, aber ehrlich: Es wird Ihnen dann sehr viel seltener passieren, dass Sie in der Mitte der Handlung Ihres eigenen Krimis die Krise kriegen, weil Sie verzweifelt miträtseln, wer denn wohl der Täter sein könnte ...

4) Beachten Sie die Regeln! Gerade, wer Genreliteratur schreiben möchte – also das, was in Stapeln in der Buchhandlung liegt: Historische Romane, Krimis, Thriller, Liebesromane – sollte seine Konkurrenz und die Regeln des jeweiligen Genres kennen. Ein Liebesroman hat nun mal ein Happy End, in einem Krimi sterben Leute. Wer diese Grundregeln nicht beachtet, muss sich nicht wundern, wenn sich niemand für sein Manuskript interessiert. Lesen Sie die Bücher, die derzeit besonders erfolgreich sind. Sind Sie enttäuscht, wenn der Mörder im Krimi gar nicht gefunden wird? Check – dann machen Sie es in Ihrem Roman besser! Ist Ihnen die tollpatschige Heldin in einer Romantischen Komödie besonders sympathisch? Fragen Sie sich, woran das liegt und was Sie sich davon abschauen können. Bringt Sie der Krimi um den Schlaf? Wenn er Sie eher einschläfert – überlegen Sie, was Sie besser machen könnten …

5) Erwecken Sie Ihren Text zum Leben: Benutzen Sie sprechende Verben! Wer wissen will, wie sich das anfühlt, liest Stephen King - er ist ein Meister darin. Seien Sie skrupellos, wenn es um Gefühle geht: Sprechen Sie in jeder Szene mindestens drei Sinne an und überlegen Sie, mit welchen Bildern und Vergleichen Sie den Leser in Ihre Welt entführen können. Entschachteln Sie lange Sätze und versuchen Sie möglichst wenige Adjektive zu verwenden. Streichen Sie Füllwörter und verwenden Sie nicht zu viele Substantive. Und denken Sie daran: Jedes einzelne Kapitel sollte einem Spannungsbogen folgen – nicht nur der Roman insgesamt!

6) Write, read, revise, repeat! Und zwar erst mal, ohne auf Rechtschreibung und Schönheit zu achten. Lassen Sie sich nicht stören. Für diese kreative Kopfarbeit ist es von allergrößter Wichtigkeit, am Stück zu arbeiten. Erst dann kommen Sie in den rechten Fluss, um die Figuren und die Geschichte lebendig zu gestalten. Lassen Sie den Text dann etwas liegen, lesen Sie ihn erneut genau und machen Sie Anmerkungen. Schließlich kommt der Schritt, der genau so wichtig ist wie das Schreiben selbst: das Überarbeiten. Gute Tipps dafür gibt der Schriftsteller Andreas Eschbach auf seiner Homepage: www.andreaseschbach.de

7) Glauben Sie an sich und an Ihre Geschichte. Schreiben ist ein harter Kampf, den man erst mal mit sich selbst ausficht. Auf Ihrem Weg wird es Momente geben, an denen Sie in die Tastatur beißen oder den Stift in die Ecke feuern wollen. Wenn Ihnen Ihre Geschichte und die Figuren daran am Herzen liegen und Sie schreiben wollen: Verlieren Sie nicht den Mut! 

Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten

1) Erst verkaufen, dann schreiben. Gerade Anfänger denken oft an den Lohn der Arbeit, bevor der Text fertig ist. Daran, welcher Verlag oder welche Agentur infrage kommen, bevor sie überhaupt eine Zeile geschrieben haben. Vielleicht liegt es daran, dass wir so viele Erfolgsstorys à la JK Rowling kennen, die mit Harry Potter reich und berühmt wurde. Treibt Sie wirklich die Leidenschaft, ist der Erfolg erst mal zweitrangig – der Text will geschrieben, die Story erzählt werden. Und das ist gut so – denn Dinge, die wir mit Leidenschaft machen, haben oft den größten Erfolg.

2) Erst schreiben, dann plotten. Wenden Sie sich zunächst dem Ablauf der Handlung zu. Was passiert wann und warum? Fragen Sie danach, was der Konflikt ist, der die Geschichte vorantreibt –  und wer ihn austrägt: Wer ist Ihr Held? Was ist sein Ziel? Und was steht diesem Ziel entgegen? Erst, wenn Sie diese drei Fragen eindeutig beantworten können, sollten Sie loslegen: und zwar damit, das Konzept auszuarbeiten. Schreiben Sie den gesamten Verlauf der Handlung auf, inklusive aller überraschenden Wendungen und der Auflösung der Geschichte. Und geben Sie es jemandem zu lesen, der Ihnen sagt, ob er die Geschichte spannend findet – und möglichst, warum. Fast noch hilfreicher ist es, zu hören, warum sie nicht spannend ist – und an welchen Stellen. Denn dann können Sie den Handlungsablauf wasserdicht machen und haben einen roten Faden, den Sie beim Schreiben nicht mehr verlieren.

3) Die Regeln ignorieren. Dramaturgie ist ein mühsames Geschäft. Gerade Erstlingsautoren meinen daher, dass es viel kreativer sei, alle Regeln außer Acht zu lassen und sich nicht mit Konflikt, Heldenreise, Charakterentwicklung, Drei-Akt-Struktur, Spannungsaufbau und Katharsis zu belasten. Doch wer die Regeln brechen will, sollte sie gut kennen. Sonst gibt’s Chaos. Raffen Sie daher alles zusammen, was Sie an Wissen über Dramaturgie finden. Und denken Sie daran, was schon Edison sagte: „Genie besteht zu 1 Prozent aus Inspiration, zu 99 Prozent aus Transpiration.“ Jede Menge berühmter Autoren haben so geschuftet – Sie befinden sich also in guter Gesellschaft!

4) Zu schnell zufrieden sein. Ja, Sie sind genial und alles, was aus Ihrer Feder fließt, ist perfekt. Darum schicken Sie Ihren Text sofort an einen Verlag oder stellen ihn auf einer Plattform ein, ohne ihn von Testlesern beurteilen zu lassen und ohne ihn mehrmals zu überarbeiten. Solch eine stiefmütterliche Behandlung Ihres schriftstellerischen Babys sollten Sie sich selbst nicht durchgehen lassen – denn die Überarbeitung ist genauso wichtig wie das Schreiben selbst. Suchen Sie sich Kritiker. Schreiben Sie um, verbessern Sie. An die Arbeit!

Hilfen, die garantiert nichts kosten und viel bringen

1) Schreibbuddy. Finden Sie jemanden, der mit Ihnen in den Ring steigt, wenn es um Texte geht. Es sollte nicht die Mama oder der Liebste sein – die neigen nämlich dazu, alles toll zu finden und begeistert in die Hände zu klatschen, wenn Sie auch nur einen graden Satz zustande bringen. Vielleicht finden Sie in einem Schreibkurs jemanden, mit dem Sie sich gut verstehen – oder in einem Schreibforum im Internet. Am besten beruht so etwas nämlich auf Gegenseitigkeit – und das kann, wenn es gut läuft, eine Freundschaft fürs Leben werden.

2) Pomodoro-App. Sie fühlen sich ständig abgelenkt, weil auf einmal überall meterdicker Staub liegt, die Karte an die Großtante überfällig ist und die Angorapullis nach einer Handwäsche schreien? Wenn Ihre Gedanken ständig zu Alltagsaufgaben abdriften, dann laden Sie sich diese Gratis-App herunter – sie hilft uns, den Fokus zu finden und konzentriert zu arbeiten. In der App startet ein Wecker mit fünfundzwanzig Minuten. In dieser Zeit bleiben Sie ganz beim Text, danach werden fünf Minuten Pause eingeläutet. Nach diesem Break folgt eine weitere Arbeitsphase mit 25 Minuten. Nach insgesamt vier Arbeitsphasen mit Kurzpausen (das sind dann zwei Stunden) bekommen Sie eine Viertelstunde Auszeit. Erstaunlich wirkungsvoll!

3) Gehen Sie mal wieder in die Bibliothek. Sie wollen Anregungen finden und up to date sein, was die Konkurrenz so treibt, haben aber kein Geld? Sie müssen die Bücher ja nicht gleich kaufen: Es gibt ja noch die gute alte Stadtbibliothek. Gehen Sie für eine Stunde in die örtliche Bücherei und stöbern Sie einfach in den Regalen. Lesen Sie sich in den Klappentexten fest, schmökern Sie die ersten Kapitel an und überlegen Sie, warum Sie weiterlesen würden – und warum nicht.

4) Vernetzen Sie sich. Besuchen Sie Foren wie www.autorenwelt.de oder www.42autoren.de und finden Sie dort weitere Tipps zum Schreiben und den Austausch, den man bei so einer einsamen Tätigkeit braucht. Gehen Sie zu Stammtischen wie dem offenen Verlagsstammtisch Pub’n’Pub, den es inzwischen in Berlin, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Köln, Leipzig, München und Münster gibt, sowie an vielen Orten in anderen Ländern (http://pubnpub.com/). Gehen Sie zu Autorenstammtischen – sei es virtuell (da gibt es einige, zum Beispiel diesen hier: http://autorenblog.de/autorenstammtisch/) oder auf die altmodische analoge Art: Der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V. organisiert Autorenstammtische für viele verschiedene Städte und verkündet seine Termine auf Facebook. Wer weiß – vielleicht warten Ihr Schreibbuddy, entscheidende Tipps und viele Funken Inspiration auf Sie?

5) Stöbern Sie auf Verlagsseiten. Die meisten Verlage stellen ihr kommendes Programm inzwischen online – hier können Sie sich gratis über neue Trends informieren und sehen, welche Themen besonders im Vordergrund stehen. Ein Mystery-Thriller wird bei Ihrem Lieblingsverlag mit sechs Seiten in der Vorschau angekündigt? Wenn Sie ein Manuskript mit ähnlicher Handlung in der Schublade haben, wäre es jetzt vielleicht an der Zeit, es genau diesem Verlag zu schicken!

6) Schaffen Sie Schreibrituale. Eine gute Hilfe ist es, jeden Tag an einem festen Ort zu einer festen Zeit zu schreiben – mindestens eine Viertelstunde lang. Ob dies in der Zeit ist, bevor die Kinder morgens den Frühstückstisch überfallen wie ein hungriger Schwarm Spatzen – oder zu einer festen Zeit am Abend, wenn nach der Hektik des Tages langsam Ruhe einkehrt, ist dabei egal. Es sollte nur regelmäßig sein. Suchen Sie sich einen ruhigen Ort, an dem Sie sich wohlfühlen. Zu Ihrem Ritual kann gehören, dass Sie Ihre bequeme Jogginghose anziehen, sich eine Tasse Ihres Lieblingstees zubereiten und leise Musik anmachen – alles, was Sie fokussiert und bei dem Sie sich wohlfühlen. Bringen Sie sich in Schreibzeitstimmung!

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