Persönlichkeit

Interview Ans Ziel der Träume

Seinen eigenen Weg gehen
vital: In welchen Situationen haben Sie selbst besonders viel Mut bewiesen?
Ulrike Bergmann: Meine erste Reise alleine führte mich im beginnenden Winter nach Argentinien. Im Vorfeld hatte ich Spanisch gelernt und mir überlegt, welche Risiken auf mich zukommen und wie ich sie meistern könnte. Einige Jahre danach habe ich meinen aussichtsreichen Karriereweg verlassen und bin erst einmal für gut zwei Jahre in die USA gegangen, um Ideen für meine Selbstständigkeit zu gewinnen. Und mit 57 habe ich noch einmal geheiratet, obwohl ich meinen Partner erst sechs Monate kannte. Weitere Ideen habe ich auch schon ...
Wir Menschen stellen unseren Mut von Kindesbeinen an auf die Probe. Doch was verwechseln wir gerne mit Mut?
Oft wird davon ausgegangen, dass mutige Menschen keine Angst kennen. Das ist falsch. Doch im Gegensatz zu den weniger Mutigen haben sie gelernt, mit ihren Ängsten zu leben, und halten diese im Zaum. Mut und Angst bilden die beiden Pole, zwischen denen wir uns ständig bewegen.
 
Wie wissen wir, wann wir couragiert handeln sollten – und wann nicht?
Wichtig ist, sich selber zu fragen: Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte, wenn ich diesen Schritt wage? Was wären die Folgen, wenn ich es nicht tue? In der Abwägung wird deutlich, ob wir es wagen können und wollen. Manches Mal ist es einfach nur wichtig, etwas auszuprobieren – und daraus Erkenntnisse zu gewinnen.
 
Kann sich ein „Hasenfuß“ in ein „Löwenherz“ verwandeln?
Ulrike Bergmann, 62, gründete 1996 ihr „Büro für ungewöhnliche Zielerreichung“, aus dem später „Die Mutmacherin“ wurde. In Einzel- und Gruppencoachings ermutigt sie Men- schen, ihre Wünsche und Träume ernst zu nehmen. Ihr aktuelles Buch: „Mit Leichtigkeit zum Ziel: Mutig dem eigenen Weg folgen“, C. H. Beck, 128 S., 6,90 Euro
Mut beginnt im Kleinen und wächst von dort aus. Meist sind es die eigenen Gedan- ken, mit denen wir uns ausbremsen und daran hindern, aktiv zu werden und unsere Ziele und Wünsche zu verwirklichen. Diese Gedanken lassen sich verändern.
 
Wie machen Sie jemandem Mut?
Mit der „Mut-Formel“, die auf Basis meiner Erfahrungen der letzten 20 Jahre entstand. Sie umfasst drei wesentliche Schritte: Was ist meins, was will ich wirklich? Hier klären wir, welche Veränderungswünsche bestehen und welche Träume, Hoffnungen und Vorstellungen vorhanden sind. Im zweiten Schritt werden sie in Umlauf gebracht. Dadurch entsteht eine Resonanz, die zeigt, was stimmig ist und wo weitere Klärungen nötig sind. Im dritten Schritt geht es darum, regelmäßig und verbindlich zu handeln. Ein erfülltes und zufriedenes Leben entsteht aus täglichen kleinen Schritten.
 
Und wie fassen Sie sich selbst ein Herz?
Wenn ich bei einer Idee, die mir wichtig ist, feststelle, dass ich kneife oder mich selber sabotiere, bringe ich das Thema in meine eigene „Mutmacher-Gruppe“ ein. Hier erhalte ich Rückmeldungen und Anregungen, wie ich meine Pläne verwirklichen kann, sowie Bestärkung und Motivation, wenn es mal schwierig ist. Da wir uns regelmäßig neue Ziele setzen und verbindliche Schritte vereinbaren, werden daraus schnell vorzeigbare Ergebnisse.
 
Wen finden Sie besonders mutig?
Alle Menschen, die etwas wagen und umsetzen, was sie sich aus ganzem Herzen wünschen. Dafür müssen sie immer wieder Grenzen überschreiten und sich ihren Ängsten stellen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, zu scheitern und wieder von vorne zu beginnen. Sie alle haben meine Hochachtung für den Mut, den sie täglich aufbringen, um ihr Leben so zu leben, wie sie es sich vorstellen.
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