Persönlichkeit

Familie Späte Mütter

Jede vierte Frau in Deutschland ist 35 oder älter, wenn sie ihr erstes Kind bekommt. Das hat durchaus Vorteile. VITAL sprach mit Fachleuten und drei Mamis über ihr ganz großes Glück.
Schwangere Frau
       

Fröhlich kommt Kirsten Echtermeyer mit Töchterchen Kiara, 3, zum vereinbarten Treffen in einem Café in Berlin- Charlottenburg geradelt. Sie sieht deutlich jünger aus als 49. Vielleicht, weil sie jahrelang Leistungssportlerin war. Marathon und Triathlon. Vielleicht gelang ihr auch deshalb etwas, was viele Ärzte für unmöglich halten: Sie wurde mit 45 das erste Mal schwanger – problemlos und auf natürlichem Weg. Die Schwangerschaft verlief ohne Komplikationen, und Kiara ist gesund.

Immer mehr späte Mütter

Damit ist Kirsten Echtermeyer gutes Beispiel und große Ausnahme gleichermaßen: Versichertendaten belegen, dass die Zahl der werdenden Mütter im Alter von 20 bis 24 in den vergangenen Jahren um 28 Prozent gesunken ist. Parallel stieg die Geburtenrate unter den 40- bis 44-Jährigen um 46 Prozent. Bei jeder vierten Geburt ist die Mutter mittlerweile 35 oder älter, errechnete das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Gleichzeitig sind noch nie weniger Babys geboren worden als im vergangenen Jahr, so die Statistiker. Gerade einmal 663 000 Kinder kamen 2011 zur Welt. Zum Vergleich: 1964 wurden noch knapp 1,4 Millionen Mädchen und Jungen geboren.

Jedes siebte Paar ist kinderlos

Fachleute wie Dr. Elmar Breitbach vom Zentrum für IVF und Reproduktionsmedizin in Bad Münder wundert das nicht. Eine 35-Jährige hat im Vergleich zu einer 25-Jährigen nur halb so gute Chancen, schwanger zu werden. Etwa mit 41 endet die natürliche Fruchtbarkeit, zeigen Studien. Die von Geburt an festgelegte Zahl der Eizellen ist im Schnitt nach 400 Monatszyklen aufgebraucht.
Trotzdem glauben Umfragen zufolge noch 54 Prozent der Deutschen, dass es für eine Frau erst zwischen 40 und 45 schwierig wird, ein Kind zu bekommen. Ein folgenreicher Irrtum: Mittlerweile ist hierzulande jede siebte Partnerschaft ungewollt kinderlos. Sandra und Thomas Junker gehörten dazu. Fünf Jahre lang versuchen sie vergeblich, ein Baby zu bekommen. Schließlich wandten sie sich an eine Kinderwunsch-Klinik. Beim fünften Versuch klappte es endlich.

"Frauen möchten selbstbestimmt Ihren Weg gehen und auf Ihr Bauchgefühl hören dürfen" - Psychologin Ines Imdahl

Tochter Tiana Helena ist mittlerweile zwei Jahre alt. Trotzdem hat ihre 41-jährige Mutter immer noch Tränen in den Augen, wenn sie vom schweren Weg zum eigenen Kind erzählt. Viele fühlen sich diesem emotionalen Stress nicht gewachsen.
In einer holländischen Studie brachen 71 von 100 Paaren ihre Kinderwunschbehandlung deshalb ab. Hinzu kommen hohe Kosten: In Deutschland zahlen die Krankenkassen nur bei unter 40-Jährigen die Hälfte der ersten drei Behandlungszyklen. Danach müssen die Betroffenen allein zahlen. Das können viele nicht. Würden wieder die ersten vier Versuche komplett bezahlt, so eine Studie des Berliner IGES-Instituts, könnten jedes Jahr bis zu 7900 Kinder mehr geboren werden. Danach sieht es nicht aus.

Immerhin plant Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ein Förderprogramm von zehn Millionen Euro für ungewollt kinderlose Paare.

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Schlagworte
Frauen | Leben
Autor
Stephan Hillig