Mode

Unterwäsche Der perfekte BH

Sexy soll er aussehen, klar. Und die richtige Größe, die Passform? Egal. Schade, denn das kann Beschwerden verursachen. Dabei ist es ein Klacks, den perfekten BH zu finden.
BH
  

Zwei Hosenträger, zwei grobe Stofftaschentücher – fertig war der erste patentierte BH der Dessous-Geschichte. 1889 schlichtweg eine Revolution, ein Befreiungsschlag für die bis dahin in enge Korsetts gezwängte Brust. Dass dieses vorsintflutliche Ungetüm ihr nicht wirklich den optimalen und schon gar nicht individuellen Halt geben konnte, liegt auf der Hand. Die Frau von heute lebt dagegen im Schlaraffenland. Wenn sie sich einen Büstenhalter kauft, hat sie die Qual der Wahl zwischen mehreren Hundert Größen, Modellen, Passformen. Da dürfte eigentlich nichts schiefgehen. Eigentlich … Doch 84 von 100 Frauen tragen einen BH, der nicht richtig sitzt, oft sogar zu klein ist. Das kann Kopfweh verursachen, auch Nackenverspannungen oder Sodbrennen. Sogar die Entstehung von Brustkrebs wird diskutiert. Dr. Hans-Ulrich Krüger, Chefarzt und Onkologe an der Bavaria Klinik Freyung, nennt die größten „BH-Baustellen“ und sagt, wie man da schnell wieder raus- und seinem idealen Büstenhalter hautnah kommt.

Häufige Probleme – und wie Sie sie leicht lösen können 

Die Brust quillt am Dekolleté und unter den Armen aus den Körbchen heraus. So sieht’s aus, wenn ein BH nicht passt. Es zeigt eindeutig, dass die Körbchengröße zu klein ist. Oft schnüren dann auch noch Unterbrustbund und Bügel ein, der Steg zwischen den Körbchen schwebt in der Luft. Und: Bügel und Unterbrustbund hinterlassen schmerzhafte Druckstellen und behindern dadurch den Abfluss der Lymphflüssigkeit. „In den USA diskutieren Mediziner einen möglichen Zusammenhang zwischen zu engen BHs und der Entstehung von Brustkrebs“, so Dr. Krüger. „Eindeutige wissenschaftliche Belege gibt es nicht. Es existieren aber auch keine Beweise, die einen solchen Zusammenhang sicher ausschließen. Es ist aber mehr als vorstellbar, dass ein gestörter Lymphfluss Auswirkungen auf die körpereigene Krankheitsabwehr hat.“ Auch Giftstoffe können schlechter abtransportiert werden und reichern sich an – das erhöht die Brustkrebsgefahr zusätzlich. Die Lösung: Bügel-Cups in der richtigen Größe umschließen beide Brüste möglichst weit – vor allem seitlich – und können sie so gut stützen. Der Mittelsteg liegt zwischen den Brüsten locker auf der Haut auf. Um Druckstellen zu vermeiden, wurden die Bügel in einem weich gepolsterten Band verarbeitet. Der Unterbrustbund ist weich und elastisch, sodass er nicht scheuert oder die Atmung behindert. Der optimale BH für größere Brüste: hoher Mittelsteg, elastisches Dekolleté und hoch geschnittene, weiche Achsel-Abschlüsse. Übrigens: Jede Frau sollte sich so oft wie möglich eine BH-freie Zeit gönnen und keinesfalls darin schlafen.

Die Träger schneiden auf den Schultern ein. Der einfache Grund: Sie sind zu kurz, oft auch zu schmal. Und sie verlaufen auf dem Rücken v-förmig. „Schmale, einschneidende oder ungünstig verlaufende BH-Träger können den Trapezmuskel und die komplexen Strukturen des Schultergelenk-Apparates belasten und irritieren“, so Dr. Krüger. „Auf Dauer sind Schulter-Arm-Probleme, Verspannungen in Schultergürtel, Hals- und Nackenbereich, Kopfweh, Halswirbelsäulen-Beschwerden sowie Rücken schmerzen in den unteren Wirbelsäulen-Abschnitten programmiert.“ Zu stramme Träger können sogar Nerven quetschen. Es entsteht dann ein Prickeln und Taubheitsgefühl in den Armen. Bei dauerhaften Fehlbelastungen kann es darüber hinaus auch zu Schleimbeutelentzündungen, diversen Fehlstellungen der Halswirbel und Gelenkverschleiß kommen. Die Lösung: Achten Sie beim Kauf auf möglichst breite, gepolsterte Träger – am besten in Kombination mit einem breiteren Rückenteil für eine optimale Gewichtsverteilung. Ideal ist es, wenn die Träger parallel über die Mitte der Schulterblätter verlaufen. Zwischen BH-Träger und Schulter sollte bequem ein Finger passen. Und: Der Spielraum, um ihre Länge zu verstellen, muss mindestens drei bis vier Zentimeter betragen.

Der BH rutscht hinten bei jeder Bewegung hoch zum Nacken. Er sitzt dann nicht mehr direkt unter den Schulterblättern, sondern mitten darauf. Das liegt meist daran, dass die Unterbrustweite des BHs eine Nummer zu groß ist. „Dies kann das freie Gleiten der Schulterblätter behindern und nicht nur zu Problemen im Schultergürtel führen, sondern auch zu chronischen Kopf- und Rückenschmerzen“, warnt Chefarzt Dr. Krüger. „Sitzt der Büstenhalter dagegen zu straff und der Unterbrustbund schneidet ein, kann das wiederum die Bewegung des Zwerchfells einschränken.“ Der BH drückt dann auch auf den magennahen Abschnitt der Speiseröhre, stört die Verdauung und kann sogar Sodbrennen verursachen. Die Lösung: Bei einem optimal sitzenden BH verläuft der Abschluss unter der Brust und am Rücken auf gleicher Höhe. Das Rückenteil muss ohne Zug schön waagerecht verlaufen. Dr. Hans-Ulrich Krüger: „Die Brust wird nämlich von den Büstenhalterträgern und dem Unterbrustbund gehalten. Vor allem bei Frauen mit einer großen Brust wird die Unterbrustweite leider oftmals zu weit gemessen.“ Ob groß oder klein: Die Unterbrustweite des BHs ist optimal, wenn Sie von unten zwei Finger übereinander zwischen die Cups oder hinten unter den Verschluss schieben können. Außerdem punktet ein guter BH mit breiteren elastischen Seiten- und Rückenteilen mit stützenden Seitenstäbchen sowie einem rutschfesten Gummihaftrand. Und der Rückenverschluss sollte mindestens eine Öse in Reserve haben. Er darf nicht überstehen und kratzen. Nicht zu empfehlen sind BHs, die am Dekolleté geschlossen werden, weil sich ihre Unterbrustweite nicht variieren lässt.  

Die Haut schwitzt leicht unter dem BH. Das ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der Büstenhalter aus einem physiologisch ungesunden Material besteht. Die Haut kann nicht atmen, es bildet sich Stauungswärme und -feuchtigkeit. Dr. Hans-Ulrich Krüger: „Besonders unter der Brust und dem Mittelsteg kann es dann zu Hautproblemen kommen.“ Es bilden sich juckende Pickelchen, gerötete Irritationen. Die Lösung: Ein hautfreundliches, luft- und wärmedurchlässiges Material – kurz: atmungsaktiv. Das erreichen sogenannte Klimastoffe, zu denen z. B. Mikrofasern zählen. Durch ihre extrem feinen Poren und Lufteinschlüsse transportieren sie die Körperfeuchtigkeit an die BH-Oberfläche, wo sie verdunsten kann. Vor allem die Lufteinschlüsse garantieren ein konstantes, gesundes Körperklima, das die Haut mag.

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