Natur

Natur Unsere Seele liebt Grün

Gerade jetzt im Sommer wollen wir am liebsten rund um die Uhr draußen sein. Wir spüren, dass die Natur uns guttut. Psychologen sprechen von einem Schutzfaktor fürs Wohlbefinden.
Frau Sonne genießen
  

Nachrichten lesen, E-Mails abrufen, sich in sozialen Netzwerken austauschen – mit klugen Handys, den Smartphones und Tablet-Computern, die in jede Tasche passen, ist das heute stets und überall möglich. Einerseits praktisch. Wir bleiben in Kontakt mit allen und allem, was uns wichtig ist, können Zeit sparen. Doch andererseits erzeugt diese ständige Erreichbarkeit bei immer mehr Menschen das ungute Gefühl, Arbeit und Freizeit nicht mehr trennen zu können. Das stresst – und weckt eine unbestimmte Sehnsucht. Wir wissen nicht so recht, wohin mit uns.

Natur gegen Alltagsstress

Was sich da meldet? Unsere steinzeitliche Vergangenheit. Unauslöschlich gespeichert in unseren Erbanlagen, klopft sie via Stammhirn, das nur pure Emotionen kennt, an die Tür des Bewusstseins. Wer dann sein Handy beiseitelegt oder den Computer ausschaltet, begreift: Es zieht uns hinaus. In die Natur. Dorthin, wo unsere Vorfahren jahrtausendelang lebten. Instinktiv wissen wir noch, dass selbst der größte Alltagsstress verfliegt, wenn wir nach draußen ins Grüne dürfen. Wir haben, sagt Richard Louv, Autor und Umweltaktivist in den USA („Das Prinzip Natur“, Beltz, 335 Seiten, 19,95 Euro), ein „hybrides Bewusstsein“ – halb Steinzeit, halb 21. Jahrhundert. Und das sollten wir nutzen. „Das beste Mittel gegen eine Überflutung durch elektronische Informationen ist eine Vermehrung der natürlichen Informationen“, erläutert Louv. „Wir sollten die modernen Technologien einsetzen, um unseren Intellekt zu optimieren, und die Natur, um unsere Sinne zu beleben und unsere Lern- und Empfindungsfähigkeiten zu steigern.“

Unser Gehirn braucht Grün

Glück ist grün. Die Natur beflügelt unsere Seele. Sie macht uns kreativer, gelassener und schützt uns vor Krisen, Ängsten und Depressionen. Schon vier Tage „offline“ hatten in einer US-Studie bereits einen erstaunlichen Effekt: Freiwillige, die so lange durch die Wildnis verschiedener US-Bundesstaaten wanderten, erzielten danach bei einem Kreativitätstest um 50 Prozent bessere Ergebnisse als eine Vergleichsgruppe, die ihre grüne Auszeit erst noch vor sich hatte. „Welches Wort passt zu jedem dieser drei Begriffe: Humor, Pech, Nacht?“
Zehn derartige Aufgaben sollten die Probanden lösen. Die mit „Vitamin N“ im Kopf – N wie Natur – schafften sechs, die ohne nur vier (die richtige Antwort in unserem Beispiel lautet übrigens: schwarz). Eindeutig: Unser Gehirn braucht Grün. Und das am besten täglich.

Park
Ein Spaziergang steigert die Konzentration

Die Studienteilnehmer genossen jedoch eine Wildnis, die kaum jemand hierzulande vor der Haustür haben dürfte. Kein Problem! Es kommt nicht darauf an, wie wild das Grün ist, das uns umgibt, ob es von Menschenhand „geformt“ wurde oder nicht. Schon wer eine Stunde im Park spazieren geht, kann seine Gedächtnisleistung und seine Konzentrationsspanne um bis zu 20 Prozent steigern. Erstaunlicherweise müssen wir den Ausflug nicht einmal sonderlich genießen. Auch das Wetter spielt keine Rolle, zeigen Studien. Je mehr Parks und Grünanlagen in einer Stadt existieren, ermittelten britische Forscher aus Langzeitdaten von über 10.000 Erwachsenen, desto glücklicher sind ihre Bürger – unabhängig von anderen Einflüssen. Heiraten wir zum Beispiel, zahlen wir, vereinfacht gesagt, 100 Punkte auf unser persönliches „Glückskonto“ ein. Grüne Oasen in unserer Stadt legen noch mal bis zu 33 Punkte obendrauf.

Natur wirkt befreiend

Nicht zufällig nennt die amerikanische Umweltpsychologin Louise Chawla von der University of Colorado Naturerlebnisse „ekstatische Momente“ des Lebens. „Sie wirken auf die Seele wie positiv geladene Juwelen, die über die gesamte Lebenszeit hinweg Energie abgeben“, erklärt die Expertin. Vor allem in unserer Kindheit verankern wir diese Edelsteine im Gedächtnis. Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, zeigen Studien, bleiben länger bei der Sache, sobald sie ins Grüne dürfen.
Grün wirkt wie ein Gegengewicht. Ständig müssen wir im Alltag Energie aufbringen, um Störendes ausblenden und Wichtiges aufmerksam verfolgen zu können. Je länger dieser kraftraubende Zustand anhält, desto reizbarer werden wir. Uns beschleicht das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Es fällt uns immer schwerer, langfristig zu planen. Die Natur befreit uns, weil sie nur absichtslose Aufmerksamkeit braucht. Heißt: Wir dürfen den Blick ziellos schweifen lassen – so oft und so lange wir wollen. Wir dürfen einfach nur da sein. „Wir sind völlig in Anspruch genommen und fühlen uns trotzdem leicht“, so die Psychologin Antje Flade („Natur psychologisch betrachtet“, Huber, 257 Seiten, 16,99 Euro). „Zur Ich-Identität gehört ganz klar auch die ökologische Identität, die sich durch Erlebnisse in und mit der Natur ständig weiterentwickelt.“ Sie ist es, die unbewusst dafür sorgt, dass sich die Augen an einem herrlichen Sommertag endlich von irgendeinem Bildschirm lösen, aus dem Fenster sehen und von dort draußen das entscheidende Signal einfangen. Und einen Wimpernschlag später kennen sämtliche Botenstoffe in unserem Gehirn nur noch ein Ziel: Geh ins Grüne und erhol dich!

Nicht nur unserer Seele tut die Natur gut. Naturkosmetik pflegt und schützt unsere Haut.

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