Natur

Umwelt Urbanes Gärtnern

Christa Müller

Klar, so ein Garten macht viel Arbeit. Das ganze Jahr über. Erde muss gelockert, Mulch verteilt, Stecklinge müssen gesetzt und Wildkräuter gezupft werden, damit Salat, Möhren, Erdbeeren und Buschbohnen gedeihen. Das erfordert Geduld und eine große Portion Enthusiasmus. Als Teenager fehlte Christa Müller beides. Früher fand sie kaum etwas langweiliger, als ihrer Mutter im Gemüsegarten zu helfen. „Mit 14, 15 war ich ziemlich desinteressiert“, erzählt die 51-Jährige und schmunzelt.
Sie wuchs in einem Dorf bei Paderborn auf. Heute ist die promovierte Soziologin quasi Chef-Gärtnerin: Als Geschäftsführerin von „anstiftung & ertomis“, einer Stiftungsgemeinschaft in München, berät und vernetzt sie mit ihrem zehnköpfigen Team bundesweit mehr als 130 Gartenprojekte, darunter Generationen-, Frauen-, Nachbarschafts- und sogar mobile Gärten. „Wir geben den Machern Praxistipps zum Aufbau eines Nutzgartens, helfen bei Fragen zur Organisation, Rechtsform und zu Fördergeld“, fasst Christa Müller ihre Arbeit zusammen.
Seit fast zehn Jahren engagiert sich die Ostwestfälin dafür, dass städtische Brachflächen, stillgelegte Fabrikgelände oder ungenutzte Parkdecks in ganz Deutschland begrünt und beackert werden können.

Grün in der Stadt

Müller avancierte so zur Wegbereiterin des „Urban Gardening“, einem grünen Trend, der sich mittlerweile rund um den Globus ausgebreitet hat. Er bringt nicht nur mehr Grün in die Städte, sondern bricht auch ein wenig deren Anonymität auf. „Immer mehr Menschen haben Sehnsucht nach Natur- und Gemeinschaftserleben. Beim Gärtnern mit Nachbarn und Gleichgesinnten, wenn sie miteinander pflanzen, ernten, sich austauschen, können sie dieses Defizit füllen“, sagt Christa Müller.
Seit 2008, dem Beginn der Finanzkrise, erlebt sie, dass die Zahl der Stadtgärten deutlich zunimmt. „Junge Familien und erstaunlich viele Männer aus dem Bereich Internet und Kommunikation stecken ihre Hände gern in die Erde und spüren, wie besinnlich die Arbeit sein kann. Die Leute merken, wie wichtig Entschleunigung ist, und interessieren sich auf einmal für innerstädtische Naturräume, Klimawandel, Landwirtschaft oder Selbstversorgung.“
Zu erleben, wie Gartenarbeit das soziale Miteinander stärkt, findet Christa Müller immer noch „sinnstiftend“, obwohl sie das Thema seit beinahe zwei Jahrzehnten erforscht. „Wenn sich ein Anwalt mit einem Migranten über die widerstandsfähigsten Salate unterhält“ – das ist ihr Ansporn, auch wenn sie selbst im Beet „eine Niete“ bleibt. „Ich habe einfach keinen grünen Daumen“, behauptet sie.
Viel Zeit hätte Christa Müller ohnehin kaum. Zu oft ist sie unterwegs, auf Vorträgen und Feldforschung quer durch die Gemeinschaftsgärten der Republik. Am besten abschalten kann sie am Wasser. „Es genügt, wenn ich an der Isar sitze und auf die Wellen schaue.“ Der Blick auf grün oder blau – Hauptsache Natur. Infos: www.anstiftung-ertomis.de

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Entspannung | Frauen | Garten