Weihnachten

Weihnachts-Special Das richtige Geschenk

Ein Geschenk ist die persönlichste Art, einem anderen Menschen zu zeigen: Du bist mir wichtig. Leider verstellt uns der Konsumrausch gelegentlich den Blick auf diesen magischen Moment.
Persönliches Geschenk
  

Und wann krieg ich mein Geschenk?!“ Diesen quengeligen Satz von Großvater Hoppenstedt alias Vicco von Bülow kennen wir alle. Mit skurriler Regelmäßigkeit fällt er in dem grandiosen Weihnachtssketch, bei dem wir Tränen lachen, bis die Hoppenstedts am Ende in Geschenkpapier versinken. Gleichzeitig – typisch bei Loriot – fühlen wir uns ertappt. Weil in seinen Späßen immer eine unangenehme Wahrheit steckt. In diesem Fall lautet sie: Weihnachten verkommt zu einem Fest der Harmoniesucht und des Konsumrauschs. Auch für Kindergeburtstage werden längst „Eventmanager“ engagiert. Wir stehen vor vollgestopften Gabentischen und fragen uns insgeheim: Worum geht es hier?

Schenken ist eine soziale Pflicht

„Besonders große Geschenke haben einen narzisstischen Beigeschmack“, bestätigt Prof. Jo Reichertz, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen. „Nicht Freude zu geben, sondern Applaus zu ernten ist die Motivation.“ Doch das ist zum Glück nicht die Regel. „Schenken ist eines der wichtigsten Instrumente unserer Gesellschaft, um Beziehungen zu pflegen“, so Reichertz.
„Mit einem Geschenk sage ich, wie viel mir jemand bedeutet.“ Das hört sich doch gut an. Hinter jedem Geschenk verbirgt sich ein einzigartiger Code. Es gibt keine Kultur, in der er nicht gilt, keinen Beschenkten, der ihn nicht sofort entschlüsseln kann: „Du bist mir wichtig!“ Jedes Geschenk ist damit ein Baustein für das, was Forscher Sozialität nennen. „Wir alle sind automatisch in Netze eingebunden: Familie, Freunde, Kollegen“, sagt Reichertz. „Bei Krankheit, Unfällen oder Geldsorgen sind wir auf diese Netze angewiesen.“ Facebook hilft da nicht. „Wie viele Ihrer Onlinefreunde würden Ihnen Hühnersuppe vorbeibringen, wenn Sie erkältet sind?“, fragt Reichertz. Eben. „Wir müssen unsere wahren Netze pflegen und so belastbarer machen. Das erreichen wir durch Kommunikation und Anwesenheit. Schenken ist eine Form davon.“ Und eine soziale Pflicht.

Wenn uns ein Geschenk enttäuscht

Macht uns jemand immer wieder lieblose Geschenke, ist es daher völlig in Ordnung, die Beziehung mal zu hinterfragen: Wiegen seine anderen Qualitäten seine Unfähigkeit auf, liebevoller zu schenken? Macht mich die Beziehung noch glücklich? „Niemand ist deshalb ein Materialist“, so Reichertz.
Schenken ist Kommunikation. Sagt jemand etwas, das uns verletzt, gibt uns das doch auch zu denken. Ähnlich ist es mit Geschenken. Die Bandbreite der Gefühle, die Geschenke auslösen, ist groß. Aber bringt es etwas, sie zu äußern? „Enttäuscht uns ein Geschenk, ist es wichtig zu verstehen, warum das so ist“,
sagt Reichertz. „In keinem Fall sollten 
wir unsere Ernüchterung aber im Mo
ment der Übergabe zeigen.“ Denn die 
findet im Kreise der Familie, unter Freunden statt und würde den Schenkenden bloßstellen. Außerdem haben die übrigen Gäste nichts mit der Enttäuschung zu tun. Also lieber später unter vier Augen und möglichst sachlich darüber sprechen.

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