Ernährungs Tipps

Lebensmittel Kinderlebensmittel - der große Schwindel

Joghurt für die Kleinsten, Power-Drinks für Teenager: gesund oder gefährlich? Experten sagen: Die Menge macht’s.
Kind essen Erdbeeren
    

Sie sind überall. Und sie werden immer mehr. Im Kühlregal, bei der abgepackten Wurst, den Frühstücksflocken und den Fruchtsäften: lauter Packungen mit grinsenden Dinos, großäugigen Honigbienen, kuscheligen Kätzchen. Kinderlebensmittel sind ein saftiger Umsatz Happen für die Hersteller:
Rund 300 verschiedene Produkte bevölkern derzeit die Supermarktregale, Tendenz steigend. Die Botschaft auf Schachteln, Flaschen und Bechern lautet stets gleich: Alles so gesund hier!
Glauben wir den Herstellern, sind Joghurts für die Jüngsten oder Wurst für Wichtel wahre Wundertüten: „73 Prozent Vollkorn“, „Vitamin C für die Abwehrkräfte“ oder gar „mit Omega-3-Fettsäuren – wichtig für Gehirn und Nervenzellen“. Wie beruhigend, denken Mama, Papa oder Oma: Wenn die kleine Sophie-Luise nach der Fleischwurst in Bärchenform greift und ihr Bruder Jannik-Lukas nach Schoko-Kindermüsli giert (auch wegen der Weltraumhelden-Löffel zum Sammeln), scheint alles in Butter. Das Kind wird optimal versorgt und sogar mit jedem Bissen schlauer – Frühförderung zum Löffeln.

Kinderlebensmittel: oft zu fett, zu süß, zu salzig

Wirklich? Wer spontan an den blumigen Werbeversprechen zweifelt, hat recht. Denn bislang existiert keine gesetzliche Definition für Kinderlebensmittel – und damit weder ein strenges Verbot für Inhaltsstoffe noch ein Gebot für das, was hineingehört. Zwar müssen auf dem Dino-Joghurt oder dem „Power Drink für Kids“ Zutaten und Mengen stehen, von Zucker genauso wie von Fett. Aber anders als Babynahrung fürs erste Lebensjahr unterliegen die „Mama, will ich haben!“-Produkte nicht der Diät- Verordnung, sondern den gleichen Lebensmittelvorschriften wie Knabberkram und Tiefkühlpizza.
Kein Wunder, dass Verbraucherschützer bei Tests von Kinderlebensmitteln regelmäßig den Daumen senken – ob Stiftung Warentest, Öko-Test oder die Verbraucherzentrale. Deren Filiale in Niedersachsen untersuchte vor rund einem Jahr etwa 60 Kinderlebensmittel vom Milchdessert bis zum Smoothie. Vernichtendes Ergebnis: fast durchgehend zu süß, zu fett oder zu salzig. Alle, die genau auf die Verpackung gucken, kann das nicht überraschen.
Dr. Annett Hilbig, Ernährungswissenschaftlerin am renommierten Dortmunder Forschungsinstitut für Kinder ernährung (FKE), erklärt: „Wenn Zucker, Glukose, Honig oder Maltose an vorderer Stelle auf der Zutatenliste stehen, sollte man das als Warnhinweis verstehen.“ Ihr ernüchterndes Fazit: „Bei den meisten Kinderlebensmitteln handelt es sich eigentlich um Süßigkeiten.“

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Ernährung | Familie