Natur

Expedition Wildnis Abenteuerurlaub in Schweden

Redakteurin Monika Dittombée suchte Bären in Schweden, doch die ominöse Natur verwischte so manche Spur
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Nachts und allein ist es am schönsten. Dann schnappe ich mir eine Decke, schalte das Licht aus und den Fernseher an. Irgendwo läuft immer eine Tierdoku: Sofort streifen afrikanische Antilopen, Kamtschatka-Braunbären oder brasilianische Löwenäffchen durch mein Wohnzimmer. Es wird gejagt, gefressen und gestorben, dagegen verblasst jeder Krimi. Grausam? Nein, beruhigend! Was sind schon meine kleinen Sorgen – verglichen mit dem Schicksal der Schildkröte, die binnen Sekunden vom australischen Leistenkrokodil geknackt wird? Meine Lieblinge sind die Braunbären, weil sie sich (überwiegend) vegetarisch ernähren und diese gelassene Kraft verkörpern (vor allem, wenn sie schlafen).

Zufällig lese ich dann von dieser Wildnistour in den schwedischen Nationalpark Fulufjäll. Da steht was von Bibern, Vielfraßen, Füchsen, Wölfen und (ich muss mich festhalten): echten Braunbären! Diese Parade grast in der Provinz Dalarna in Westschweden, gar nicht weit weg! Warum weiter in den Fernseher starren, wenn sich da oben meine Hauptdarsteller live vergnügen? Klar, dass ich mich sofort anmelde.

Wochen später komme ich in der Hüttensiedlung Fuluffjällsbyn an und bin erleichtert, mit meiner Tiermacke nicht allein zu sein: Am Grill sitzt eine gut gelaunte Truppe zwischen 23 und 40 Jahren, zwei Pärchen, ein Student und Silvia, Tourleiterin und wichtigster Mensch der Woche, denn sie wird unser Überleben sichern. Alle wirken völlig normal. Nette, neue Tierfreunde, Gleichgesinnte! Vor der Flammenglut erzählen wir uns Schauergeschichten, von Grizzlys in Kanada („Die sind in acht Sekunden den Baum hoch“) und diesem rumänischen Bauern, der nur sein Maisfeld verteidigen wollte und grässlich zerfleischt wurde. Betretenes Schweigen. Unser Holzhaus steht mitten im Wald, das nächste Dorf ist 40 Kilometer weg, kein Stern leuchtet, kein Laut durchbricht die Stille, bis auf das Gurgeln eines fernen Baches. Die Ruhe vor dem Sturm?

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Schlagworte
Umwelt
Autor
Monika Dittombée